Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Haltern und Vermarktern aus?

5 Fragen an Hähnchenhalter Volker Merten

Kategorie: 5 Fragen an

In der deutschen Geflügelwirtschaft arbeiten die Geflügelhalter eng mit den Vermarktern zusammen. Alle Schritte in der Geflügelfleischerzeugung werden unter dem Dach eines Vermarkters zusammengeführt. Dieses System wird im Fachjargon auch „vertikale Integration“ genannt. Wie genau läuft diese Zusammenarbeit ab? Und welche Vorteile entstehen daraus für den Landwirt? Wir fragen den Hähnchenhalter Volker Merten.

Herr Merten, Sie arbeiten als Geflügelhalter mit einem festen Vermarkter zusammen – ist das aus Ihrer Erfahrung ein Vor- oder ein Nachteil?

Ich sehe da nur Vorteile. Klar kann ich auf den offenen Markt gehen, Tiere von irgendwoher beziehen und dann weiterverkaufen. Das Problem ist aber das „Irgendwoher“. Bei meinem Vermarkter weiß ich immer genau, was für Tiere ich bekomme. Die Küken kommen aus seriösen Brütereien, sind gesund und wachsen gut auf. Und am Schluss habe ich einen garantierten Abnehmer für die 40.000 Hähnchen aus meinem Stall. Denn das ist ja keine Menge, die ich einfach so auf dem Wochenmarkt verkaufen kann. Es gibt mir Ruhe und Sicherheit, dass ich mir über Ankauf und Verkauf der Tiere keine Gedanken machen muss. Meine Gedanken konzentriere ich auf die Haltung und auf das Tierwohl.

Aus Ihrem Alltag – wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Vermarkter in Ihrem Betrieb konkret aus?

Mit dem Vermarkter bespreche ich zum einen ganz grundsätzliche organisatorische Fragen: Wie viele Tiere bekomme ich, wann kommen die in meinen Stall, auf wann legen wir den Schlachttermin fest? Darüber hinaus gibt mir der Vermarkter einen internen Fachmann an die Hand, der als Berater mit mir zusammenarbeitet. Der Kollege kommt mindestens einmal während jeder Aufzucht zu mir auf den Hof, damit wir gemeinsam den Zustand der Herde besprechen und klären, was sich hier und da noch besser machen lässt. Das Gute daran ist: Dieser Außendienst-Mitarbeiter sieht ja nicht nur meinen Hof, sondern der macht den ganzen Tag nichts anderes, als mit Landwirten zu sprechen und Höfe zu besuchen. Und dann weiß er eben, wie andere Landwirte dieses oder jenes Problem gelöst haben und kann mich an seinen Erfahrungen teilhaben lassen. Denn auch als erfahrener Landwirt nehme ich natürlich gerne einen Rat von einem Experten an, der sozusagen den „Blick über die eigene Stalltür hinaus“ kennt. Eins ist aber klar: Am Ende entscheide ich, ob ich seine Tipps umsetze oder nicht. Und wenn ich gewisse Dinge anders sehe, dann mache ich sie auch anders. Denn am Ende trage ich als Geflügelhalter die Verantwortung für das Wohl meiner Tiere – nicht der Vermarkter.

Werden Sie und die anderen Geflügelhalter denn nicht in eine zu große Abhängigkeit getrieben, wenn Sie an nur einen Vermarkter gebunden sind?

Nein, ganz im Gegenteil. Die Bindung an den Vermarkter hat mir große Freiheiten geben – nämlich die Freiheit, zu investieren und dabei Sicherheiten vorweisen zu können. Ich habe 2008 beschlossen, meinen Hof um die Hähnchenhaltung zu erweitern. Der Vertrag mit einem Vermarkter war eine wichtige Voraussetzung dafür, diese Investition überhaupt erst tätigen zu können. Schließlich ist so ein Hähnchenstall mit all der modernen Ausstattung mehrere hunderttausend Euro wert. Und: Sollte ich mit meinem Vermarkter unzufrieden sein, könnte ich den Vertrag natürlich auch kündigen und mich einem anderen Vermarkter anschließen. Ich sehe dazu aber überhaupt keine Veranlassung, weil ich meinen Vermarkter als seriösen Partner sehr schätze. Abgesehen davon: Wir Halter sind ja in Erzeugergemeinschaften organisiert, über die wir zum Beispiel auch die Preisverhandlungen mit dem Vermarkter führen – also wie viel wir am Ende für jedes Tier ausgezahlt bekommen. Mit dieser gemeinsamen Interessenvertretung können wir auch stark gegenüber den Vermarktern auftreten, auf Augenhöhe eben.

Sie haben die positiven Effekte angesprochen, die für Sie durch diese Zusammenarbeit entstehen. Welche Bedeutung hat die Bindung an einen Vermarkter denn für die Tiere und deren Aufzucht?

Ich bin Landwirt geworden, weil ich die Landwirtschaft mag. Und ich halte Tiere, weil ich die Tierhaltung mag. Dadurch, dass ich mir über Dinge wie den Bezug der Küken und die spätere Vermarktung keine Sorgen machen muss, kann ich mich auf die Haltung der Tiere konzentrieren. Meine ganze Aufmerksamkeit, meine Zeit und Energie gelten meiner Herde und dem gesunden und guten Aufwachsen der Hähnchen. Ich bin davon überzeugt, dass es für das Wohl der Tiere entscheidend ist, dass sich der Landwirt zu einhundert Prozent dieser Aufgabe widmen kann. Und genau das können meine Kollegen und ich tun, wenn wir feste Verträge mit Vermarktern schließen. So steht tatsächlich das Tierwohl im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Da bleibt nur noch die Frage: Wie profitiert der Verbraucher davon?

Das Gute ist, dass jeder Verbraucher, der am Ende Geflügelfleisch aus Deutschland kauft, genau weiß, was er bekommt. Dahinter stehen einheitliche Standards in Bezug auf Herkunft der Tiere, auf Tierwohl, auf Hygiene, auf die Betreuung der Halter – das ist mit Sicherheit besser, als wenn jeder Halter seine Küken aus verschiedenen Quellen bezieht, auf eigene Faust großzieht und am Schluss an unterschiedlichste Schlachtereien abgibt. Alles aus einer Hand – das ist sicher auch aus Verbrauchersicht die beste Lösung.

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