Geflügelfleischerzeugung – wie wird heute alles kontrolliert?

von Dr. Günter Zengerling, Referatsleiter beim ZDG

Kategorie: Aus der Praxis

Die Geflügelfleischerzeugung in Deutschland gewährleistet aufgrund ihrer vernetzten und stufenübergreifenden Struktur in besonderem Maße die Sicherstellung aller gesetzlichen und branchenspezifischen Standards. Ein engmaschiges Kontrollnetz stellt zudem im Zusammenspiel zwischen wirtschaftseigenen, unabhängigen und behördlichen Kontrollen sicher, dass die Standards für den Tierschutz und die Lebensmittelsicherheit eingehalten werden. Vom Schlupf der Küken über die Aufzucht bis zur Verarbeitung ist die Erzeugung von Geflügelfleisch ein vollständig kontrollierter Prozess:

Von der Brüterei zum Geflügelhof
  • Schon während des Transports der Küken zum Stall gewährleisten sachkundige Transporteure den Tierschutz. Dafür müssen sie eine Sachkundeprüfung ablegen.
Kontrollen während der Aufzucht des Geflügels
  • Während der Aufzucht kontrolliert der Halter mindestens zwei Mal täglich den Stall und die Gesundheit der Tiere. In Kontrolldokumenten notiert er den Futterverbrauch, das Gewicht sowie Faktoren wie den allgemeinen Zustand der Tiere oder die Sterberate.
  • Zusätzlich werden der Stall und die Dokumente regelmäßig von einem unabhängigen Kontrolleur des QS-Systems – ein branchenübergreifendes Qualitätssicherungssystem für die Herstellung von Lebensmitteln – überprüft. Bei den QS-Kontrollen werden zwei Formen unterschieden: angekündigte Kontrollen, die sogenannten System-Audits und unangekündigte Kontrollen, die sogenannten Spot-Audits.
  • Angekündigte System-Audits sind ausführliche Prüfungen der gesamten Haltung und Anlagen. Diese dauern je nach Größe des Stalls bis zu 6 Stunden. Bei diesen Kontrollen werden alle Aspekte der Haltung sowie des Tierwohls, der Hygiene, des Stallmanagements, aber auch das Stallgelände selbst genauestens unter die Lupe genommen.
  • Jeder dem QS-System angeschlossene Halter darf entscheiden, ob sein System-Audit angekündigt oder unangekündigt erfolgt. Entscheidet er sich für einen angekündigten Audit, wird jedoch zusätzlich eine weitere unangekündigte Kontrolle durchgeführt – der sogenannte Spot-Audit. Dieser legt einen besonderen Fokus auf den Zustand der Tiere und des Stalles sowie auf die Einhaltung der deutschen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.
Kontrollen am Ende der Aufzucht
  • Am Ende der Aufzucht nimmt ein Amtsveterinär die sogenannte Lebendtierbeschau vor. Er überprüft hierbei die Gesundheit der Tiere sowie die vom Halter kontinuierlich gepflegten Dokumente zur jeweiligen Herde. Nur, wenn hier alles in Ordnung ist und die Tiere vollkommen gesund sind, werden diese vom Amtsveterinär für den Transport zum Schlachthof freigegeben.
  • Vor dem Transport werden die Tiere zunächst ausgestallt. Die Mitarbeiter, die die Tiere einfangen und in den Transportboxen verstauen, müssen in den wesentlichen Punkten des Tierschutzes und des tiergerechten Umgangs mit den Tieren geschult sein – für diese Sachkunde besteht eine Nachweispflicht. Der Aufseher der sogenannten „Fänger“ muss sich einer verpflichtenden Sachkundeprüfung unterziehen.
  • Nachdem die Transportboxen verladen und sicher im Transporter verstaut sind, werden diese wiederum von einem geschulten Transporteur zum Schlachthof transportiert.
Begleitung des Betäubungs- und Schlachtvorgangs
  • Nach der Ankunft im Schlachthof werden die Tiere stichprobenartig von einem zweiten Amtsveterinär kontrolliert, um ihre Gesundheit sicherzustellen. Bei der Schlachtung selbst sind ganztägig ein Amtsveterinär und weitere Fachassistenten im Schlachtbetrieb anwesend und überwachen den Schlachtvorgang.
  • Vor dem Schlachtvorgang ist es besonders wichtig, dass die Betäubung vorschriftsmäßig durchgeführt wird, um dem Tier unnötige Schmerzen und Leiden zu ersparen. Um dies zu kontrollieren, gibt es in jedem Schlachthof einen Tierschutzbeauftragten.
Lebensmittelsicherheit im Zentrum weiterer staatlicher Kontrollen
  • Die behördliche Lebensmittel- und Veterinärüberwachung ist ein wichtiger Baustein in den Bereichen Futtermittelsicherheit, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit. Hier kontrollieren die zuständigen Behörden überall dort, wo Lebensmittel hergestellt, verarbeitet und an den Verbraucher gebracht werden – die Kontrollen verlaufen also über alle Stufen der Erzeugung.
  • Die Behörden nehmen hierbei Proben, entweder vom lebenden Tier oder in der Schlachtung sowie vom fertigen Produkt. Diese Proben werden anschließend in Laboren auf Keime, Rückstände (zum Beispiel von Arzneimitteln) oder sonstige gesundheitlich bedenklichen Aspekte hin untersucht. Sollten hierbei Mängel festgestellt werden, müssen diese auf Anweisung der Behörden schnellstmöglich beseitigt werden. Bei einer gesundheitlichen Gefahr für den Verbraucher müssen entsprechende Produkte zeitgleich aus dem Handel entfernt werden. Sollte dem nicht Folge geleistet werden, drohen bei schweren Verstößen Sanktionen, Bußgelder oder Strafverfahren.

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