„Geflügelfleisch ist mit gefährlichen Keimen verseucht.“

Kategorie: Fakten-Check

Das stimmt nicht: Keime sind natürlicher Bestandteil der Umwelt und können sich daher grundsätzlich auf jedem Naturprodukt befinden – ohne, dass hiermit automatisch eine Gefährdung für den Verbraucher einhergeht. Das gilt für Geflügelfleisch ebenso wie beispielsweise für Obst oder Gemüse. Das potenzielle Risiko einer Erkrankung oder einer Infektion für den Menschen hängt nicht vom bloßen Vorkommen eines oder mehrerer Keime ab. Vielmehr spielt die Art und vor allem die Erregermenge im oder auf dem Lebensmittel eine Rolle. So werden heutzutage dank modernster Messinstrumente oft bereits kleinste Mengen an Keimen nachgewiesen, was früher technisch in dieser Form gar nicht möglich war.

Fakt ist: Durch moderne Hygienestandards entlang der gesamten Prozesskette bei der Erzeugung von Geflügelfleisch ist die Keimbelastung auf den Produkten heute so gering wie nie. Im Sinne einer durchgehenden „Prozesshygiene“ (also einer kontinuierlichen Hygienesicherung während des gesamten Erzeugungsprozesses) werden in Deutschland zu jedem Zeitpunkt der Geflügelfleischerzeugung Vorkehrungen getroffen, um Keime zu vermeiden oder auf niedrigem Niveau zu halten – beginnend in den Elterntierhaltungen, den Brütereien, über die Aufzucht in den landwirtschaftlichen Betrieben, bis hin zur Schlachtung und Verarbeitung in den Schlachtereien. Die Salmonellenbelastung bei Hähnchenfleisch beispielsweise konnte in Deutschland so auf rund 3 Prozent reduziert werden.

In diesem Zusammenhang versuchen in letzter Zeit einige veröffentlichte Untersuchungen eine potenzielle Gefahr zu suggerieren – und rufen eine ungerechtfertigte Verunsicherung beim Verbraucher hervor. Denn bei genauerer Bewertung oder gar einer tatsächlichen wissenschaftlichen Analyse ist diese Gefahr in der Regel nicht aufrechtzuerhalten. Aspekte wie die Wissenschaftlichkeit und die Methodik der Erhebung aber auch die Anzahl und Art der gefundenen Keime sollten stets kritisch hinterfragt werden, um im Sinne des Verbrauchers zu einer tatsächlichen und weniger ideologisch geprägten Risikobewertung zu gelangen. Auch die Diskussion um antibiotikaresistente Keime läuft oftmals an wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbei und unterstellt Kausalitäten, die so nicht bestehen: Lesen Sie dazu ergänzend auch unseren Fakten-Check zum Vorwurf „Der exzessive Einsatz von Antibiotika in der Geflügelhaltung führt zu Antibiotikaresistenzen beim Menschen.“

Übrigens: Das Gegenstück zu der in der EU praktizierten Prozesshygiene ist die „Endproduktbehandlung“, wie sie beispielsweise in den USA praktiziert wird. Diese ist wesentlich simpler und kostengünstiger: Statt „vom Stall bis zum Verbraucher“ hohe Hygienestandards zu sichern, wird das Endprodukt chemisch behandelt, um erst dann alle vorhandenen Keime abzutöten. Dies geschieht beispielsweise durch den Einsatz von Chlor. Keimfrei sind auch diese Produkte jedoch bei weitem nicht. 

 

 

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