„Die Geflügelwirtschaft exportiert Unmengen an billigem Geflügelfleisch nach Afrika und ruiniert dort die Märkte.“

Kategorie: Fakten-Check

Die Behauptung ist falsch: Der Export von Geflügelfleischprodukten in Drittländer spielt für die deutsche Geflügelwirtschaft aktuell eine untergeordnete Rolle. Die zentralen Absatzmärkte sind Deutschland und die Länder der Europäischen Union. Die vorrangigste Aufgabe der Branche liegt in der Befriedigung der hohen heimischen Nachfrage, die derzeit nur annähernd durch die deutschen Schlachtungen von Geflügel gedeckt werden kann. Gleichwohl nimmt im Zuge der weltweiten Globalisierung der Themenkomplex Export in Drittländer auch für die deutsche Geflügelwirtschaft einen gewissen Stellenwert ein. Zugleich wird aber auch ein nicht unwesentlicher Teil an Geflügelfleisch aus anderen Ländern nach Deutschland importiert – mehr als aus Deutschland in andere Länder exportiert wird.  

Insgesamt lässt sich festhalten, dass nur ein sehr geringer Anteil der deutschen Erzeugung in Drittstaaten exportiert wird: 2015 waren es etwa 66.860 Tonnen Geflügelfleisch (2014: 104.000 Tonnen), was nur knapp 4 Prozent der deutschen Nettoerzeugung (Schlachtungen) entspricht. Davon gingen rund 16.336 Tonnen (2014: 41.000 Tonnen) nach Afrika.

Insbesondere die Exporte von Deutschland nach Südafrika und in westafrikanische Länder werden von Politik und Medien stärker thematisiert.

Südafrika:
  • Richtig ist, dass die deutschen Exporte von Geflügelfleisch nach Südafrika in den vergangenen Jahren im Allgemeinen gestiegen sind: von rund 2.000 Tonnen in 2011 auf rund 19.888 Tonnen in 2014. Dies liegt darin begründet, dass in 2010 mit Südafrika ein amtliches Veterinärzertifikat abgestimmt wurde, welches den Export grundsätzlich ermöglicht. Im Jahr 2015 waren es dagegen aufgrund von Exportbeschränkungen nur 278 Tonnen. Nach ersten Schätzungen wird für 2016 wieder ein Anstieg auf rund 4.000 Tonnen erwartet.
  • Von der deutschen Nettoerzeugung entfallen auf die Exporte nach Südafrika nur rund 0,02 Prozent in 2015 (2014: 1,3 Prozent), von den Gesamtausfuhren in Drittstaaten gingen rund 0,42 Prozent (2015) nach Südafrika (2014: 19 Prozent).
  • Zum Vergleich: Brasilien lieferte 2015 ganze 227.265 Tonnen (2014: 156.427 Tonnen) allein an Hähnchenfleisch nur nach Südafrika. 
Westafrika:
  • Westafrikanische Länder wie Ghana (2015: 3.995 Tonnen; 2014: 3.600 Tonnen) und Benin (2015: 3.237 Tonnen; 2014: 8.800 Tonnen), aber auch Angola (2015: 257 Tonnen; 2014: 703 Tonnen) spielen ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle.
  • Zum Vergleich: Brasilien lieferte im Jahr 2015 49.778 Tonnen (2014: 103.000 Tonnen) Hähnchenfleisch nach Angola und 13.144 Tonnen (2014: 23.300 Tonnen) nach Ghana (Hinweis: Für Benin sind keine Zahlen bekannt). 

Falsch ist zudem die Behauptung, dass vor allem „minderwertige Ware“ in den Export gehe und die dortigen „Märkte zerstöre“. Jede Ware, die in den Verkehr gebracht wird – unabhängig vom Vermarktungsweg – muss nach geltender Rechtslage und mit den amtlichen Kontrollen verzehr- und vermarktungsfähig sein. Der Handel mit Afrika läuft nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage – es gibt keine Exporterstattungen. Die Branche kann einen Wettbewerb also nicht über den Preis führen, sondern nur über die hohe Qualität der deutschen Erzeugung. Andere Wege funktionieren hier nicht: Die deutschen Standards sind weltweit in vielen Bereichen führend, erlauben aber eben keinen auf den Preis begründeten internationalen Wettbewerb.  

Auch – entgegen weniger anderslautender Meinungen – exportiert die deutsche Geflügelwirtschaft natürlich keine Geflügelteile in Drittländer, um Entsorgungskosten in Deutschland zu sparen. Ganz im Gegenteil: Die Geflügelwirtschaft ist gerade mit Blick auf die aktuell diskutierte Lebensmittelverschwendung bemüht, alle vom Tier gewonnenen und für den menschlichen Verzehr als uneingeschränkt genießbar eingestuften Produkte zu vermarkten, anstatt die in Deutschland weniger nachgefragten Stücke einfach zu entsorgen. Gerade die in unserer Kultur oft weniger beliebten Teile des Geflügels, wie beispielsweise Flügel, Schenkel, Rücken oder Füße, werden in vielen anderen Ländern sehr gerne gegessen und gelten in anderen Kulturen teilweise sogar als Delikatessen. Infolgedessen werden diese Hähnchenteile von Händlern aus Drittländern in Deutschland eingekauft. Dementsprechend erfolgt der Export von Geflügelfleisch, wenn überhaupt, nach den Kräften des Marktes von Angebot und Nachfrage.

 

 

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