Die Einstreu – Basis tiergerechter Geflügelhaltung

5 Fragen an Arnd von Hugo, Hähnchenhalter

Kategorie: 5 Fragen an

In der breiten Debatte um unsere „10 Thesen zur deutschen Geflügelwirtschaft“ steht – neben dem großen Interesse an dem Thema Tierwohl im Allgemeinen – auch immer wieder die spezifische Bedeutung der Einstreu für die Tiere und ihr Wohlergehen im Mittelpunkt der Diskussion: Welche Funktion hat eigentlich die Einstreu? Wie oft streut ein Geflügelhalter überhaupt nach? Und was macht der Halter, wenn die Einstreu einmal feucht wird?

Wer könnte dies besser beantworten als ein Geflügelhalter selbst. Herr Arnd von Hugo, Landwirt und Hähnchenhalter, stellt sich unseren Fragen.

Herr von Hugo, das Thema Einstreu wird immer mehr diskutiert. Warum kommt der Einstreu eigentlich eine so besondere Bedeutung zu?

Sie müssen das aus Sicht der Tiere sehen: Der gesamte Stall mag an die 10 Meter hoch sein, aber wirklich wichtig ist für die Tiere nur das, was sich auf ihrer Höhe abspielt, also etwa 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden. Dieser Bereich sollte für sie so angenehm wie möglich gestaltet werden. Dabei ist eine lockere und trockene Einstreu ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden der Tiere, denn auf ihr können sie zum Beispiel scharren oder staubbaden. Ist die Einstreu aber zu feucht, fühlen sich die Tiere nicht wohl und ihre empfindlichen Fußballen können sich entzünden. Dies ist nicht nur schmerzhaft für die Tiere, es begünstigt auch das Auftreten von Infektionskrankheiten. Daher ist die sogenannte Fußballengesundheit ein zentraler Faktor bei der Sicherstellung des Tierwohls und wird am Ende jeder Mastperiode überprüft: Hätten dabei zu viele Tiere beschädigte Fußballen, müsste ich mit Sanktionen rechnen. Aber ich lege viel Wert darauf, dass das bei meinen Tieren nicht vorkommt.

Welche Art von Einstreu verwenden Sie?

In meinem Stall verwende ich ausschließlich Strohgranulat aus gemahlenem und gepresstem Stroh. Während der Herstellung wird das Stroh erhitzt und ist daher sehr hygienisch und praktisch keimfrei – ein großer Vorteil dieser Art der Einstreu. Normales, unbehandeltes Stroh könnte nämlich zum Beispiel Schimmelpilze oder andere Keime enthalten, die den Tieren wiederum schaden würden. Außerdem ist Strohgranulat durch seine leichte, luftige Konsistenz, die an Sägespäne erinnert, leicht einzustreuen und sehr saugfähig.

Haben Sie auch schon andere Materialien ausprobiert? Worauf kommt es bei der Auswahl der richtigen Einstreu an?

Egal, welche Einstreu ich verwende: Es kommt vor allem darauf an, dass sie viel Feuchtigkeit aufnehmen kann und dabei trotzdem locker und rieselfähig bleibt. Dafür kommen verschiedene Materialien in Frage. Alternativ zu Strohgranulat verwenden einige meiner Berufskollegen zum Beispiel einfache Strohhäckseln, Holzspäne oder Zellstoff. Immer wieder lasse ich mir auch Proben anderer Einstreu-Materialien zukommen, vergleiche die Eigenschaften mit dem Strohgranulat und suche nach Optimierungsmöglichkeiten für die Einstreu und damit für die Haltungsbedingungen meiner Tiere.

Wechseln Sie die Einstreu während der Mastperiode oder streuen Sie nach?

Ich überprüfe natürlich jeden Tag den Zustand der Einstreu, schließlich liegt das auch in meiner Verantwortung als Tierhalter. Dabei achte ich dann vor allem auf die Feuchtigkeit und Verschmutzung. Im Herbst zum Beispiel, wenn die Luft sehr viel Feuchtigkeit mitbringt, schlägt sich das auch auf die Einstreu nieder. Dann müssen wir Geflügelhalter immer besonders aufpassen, damit die Tiere trocken stehen. Bei einem feuchten Stallklima genügt es aber oft schon, dass man verstärkt lüftet oder die Heizung etwas höher stellt. Denn durch frische, warme Luft wird mehr Feuchtigkeit aus dem Stall transportiert. Dabei muss ich allerdings immer im Blick behalten, dass es für die Tiere weder zu warm noch zu zugig wird.

Sollte die Einstreu trotzdem feucht geworden sein, arbeite ich sie auf. Dabei wird die Einstreu neu gemischt und trockenere Schichten von unten nach oben befördert. Zusätzlich wird eine dicke Schicht frische Streu oder einfaches Stroh eingebracht, sodass die Tiere auf einer warmen, trockenen Strohdecke stehen und mit der Feuchtigkeit nicht in Berührung kommen. An besonders nassen oder verschmutzten Stellen wechseln wir die Einstreu komplett aus.

Ich investiere sehr viel Zeit und Mühe darin, die Einstreu regelmäßig zu prüfen. Denn nur so kann ich feuchte oder verschmutzte Stellen entfernen, bevor das Wohlbefinden meiner Tiere gefährdet wird.

Heißt das, dass die Art der Einstreu selbst gar nicht so entscheidend ist?

Natürlich ist es auch wichtig, eine hochwertige Einstreu zu wählen, die ausreichend saugfähig ist. Aber selbst die beste Einstreu kann nicht gewährleisten, dass die Tiere während der gesamten Mastdauer auf trockenem Boden stehen. Das ist meine Aufgabe als Tierhalter! Neben der Wahl einer guten Einstreu ist es daher absolut entscheidend, sie regelmäßig zu überprüfen und zu reagieren, wenn es notwendig ist.

Ich experimentiere dabei immer wieder mit neuen Techniken, wie man Einstreu am besten aufarbeiten kann. Dabei habe ich zum Beispiel festgestellt, dass sich die Einstreu sehr gut auflockern lässt, indem man sie fräst, anstatt sie nur per Hand durchzuharken, wie es normalerweise gemacht wird. Anfänglich muss ich dabei natürlich sehr vorsichtig vorgehen und die Fräse nur im Dunkeln anschalten, da die Tiere dann ruhiger sind und sich nicht vor dem lauten Geräusch erschrecken. Aber nach kurzer Zeit haben sie sich daran gewöhnt. Inzwischen nutze ich die Fräse auch beim Nachstreuen: Dann streue ich frisches Stroh in den Stall und fräse alles durch, damit sich die alten und neuen Schichten gut vermischen. Eine weitere gute Alternative, die ich ab und zu anwende, besteht darin, frische Strohballen auf feuchte Stellen zu legen. Die Tiere spielen gerne mit diesen Ballen, zerrupfen sie und verteilen sie so automatisch im Stall. Neben einer trockenen Einstreu bekommen die Tiere so auch gleichzeitig Beschäftigungsmaterial.

Dieses Experimentieren, Ausprobieren und die Anschaffung neuer Geräte wie der Fräse kostet mich zwar Zeit und auch Geld, dient letztlich aber der Verbesserung der Haltungsbedingungen und damit dem Wohl meiner Tiere – eine lohnenswerte Investition, wie ich finde.

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