Branche

Vertikale Integration

Unter vertikaler Integration versteht man die Eingliederung von mehreren Stufen der Wertschöpfungskette in eine Organisationsstruktur. Die Geflügelwirtschaft setzt, im Gegensatz zu beispielsweise der Schweinebranche, weltweit auf integrierte Systeme. Diese Organisationsform fördert maßgeblich die Innovationskraft und die guten Kontrollmöglichkeiten sowie eine hohe Sicherheit und Planbarkeit für alle Beteiligten, gleichzeitig sichert sie die hohe Qualität der Erzeugung von Geflügelfleisch über alle Stufen hinweg.

Hintergrund
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Das System der vertikalen Integration: Diese Rolle spielen Vermarkter und Landwirte

Vertikale Integration bedeutet in der Praxis, dass alle Schritte der Fleischerzeugung unter dem Dach eines Vermarkters zusammengefasst werden: Die frisch geschlüpften Küken aus der Brüterei werden zunächst durch einen der rund 6.500 selbstständigen Geflügelhalter in Deutschland gekauft und auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb aufgezogen.

Die Geflügelhalter kümmern sich stets eigenverantwortlich um die Aufzucht der Tiere, der Vermarkter steht ihnen jedoch unterstützend und beratend zur Seite. So werden zum Beispiel die Herstellung und Zusammensetzung der Futtermittel abgestimmt und es besteht für die Halter die Möglichkeit, bei Fragen oder Problemen auf externe Berater des Vermarkters zurückzugreifen. Dabei steht es den Landwirten je nach Vermarkter frei, über Faktoren wie die Wahl der Futtermittel, der Geflügelrasse oder des Tierarztes eigenständig zu entscheiden.

Ferner sieht das vertraglich geregelte Zusammenspiel zwischen Halter und Vermarkter vor, dass der Vermarkter die Tiere am Ende der Aufzucht wieder aufkauft, sie im jeweiligen Verarbeitungsbetrieb schlachten lässt, das Fleisch weiterverarbeitet und die Vermarktung des fertigen Produkts entsprechend übernimmt.

Den Geflügelhaltern ist durch die vertikale Integration die Freiheit und Möglichkeit gegeben, sich vollumfänglich um die Haltung und das Wohlbefinden ihrer Tiere zu kümmern. Betriebswirtschaftliche Unsicherheiten seitens der Halter werden durch die garantierte Abnahme der Tiere durch den Vermarkter reduziert.

Die vertikale Integration der Geflügelbranche wurde von der deutschen Geflügelwirtschaft als Reaktion auf die seit den 1960er Jahren kontinuierlich steigende Nachfrage nach Geflügelprodukten angestoßen. Durch das Zusammenführen aller Stufen der Wertschöpfungskette konnten nicht nur die Produktionseffizienz und somit das Angebot entsprechend der gestiegenen Nachfrage angepasst werden, sondern auch die Prozessqualität. Durch prozessübergreifendes Handeln und Vernetzung aller Akteure der gesamten Branche wurden gleichzeitig erhebliche Fortschritte für das Tierwohl, die Tiergesundheit und die Lebensmittelsicherheit erreicht – Fortschritte, die den Alltag der Geflügelhalter selbst positiv beeinflussen. Vertikal integrierte Produktionssysteme bieten zudem günstige Voraussetzungen, um höchste Standards auf allen Ebenen der Erzeugung zu gewährleisten. Somit können Lebensmittelsicherheit, eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und letztendlich eine hohe Qualität verlässlich garantiert werden. Damit bietet die vertikale Integration in der Geflügelwirtschaft konkrete Qualitäts- und Produktsicherheitsvorteile für die Verbraucher.

Die selbstständigen Geflügelhalter können ihren Vermarkter frei wählen

Geflügelhalter können sich im Rahmen der vertikalen Integration frei für einen Vermarkter entscheiden. Auf diese Weise entsteht ein Wettbewerb zwischen den Vermarktern um die jeweils besten Geflügelhalter. Die Wahlfreiheit der Geflügelhalter sichert die selbstständige Handlungsfähigkeit der unabhängigen landwirtschaftlichen Betriebe. Die Leistung des Vermarkters gegenüber dem Geflügelhalter besteht in erster Linie darin, den Haltern Beratung und Unterstützung bei der Aufzucht zu bieten. Die Haltung und Aufzucht der Tiere bleibt jedoch stets in der Hand der sachkundigen Geflügelhalter.

Vertikale Integration: Das sind die Vorteile für die Geflügelhalter

Für die Halter besteht der Vorteil der vertikalen Integration besonders in einer besseren Planbarkeit: Durch die Bindung an den Vermarkter wird der Absatz der Tiere zu einem vertraglich ausgehandelten Preis sichergestellt. Die vertragliche Bindung verhindert größere Preisschwankungen und gibt den Geflügelhaltern finanzielle Sicherheit, was sich innovationsfördernd auswirkt. Ebenso vorteilhaft für den Halter sind die gesicherten Absatzwege, da das Zeitfenster, das nach der Aufzucht für die Vermarktung von Hähnchen oder Puten zur Verfügung steht, sehr kurz ist. Das unternehmerische Risiko verbleibt hingegen beim Halter, da nur gut aufgewachsene und gehaltene Tiere durch den Vermarkter gekauft werden.

Vorteile der vertikalen Integration für die Geflügelhalter auf einen Blick:

  • Vermeidung größerer Preisschwankungen bei der Abnahme der Tiere
  • Beratung und Unterstützung durch den Vermarkter
  • Bessere Planbarkeit für die Betriebsentwicklung
  • Steigerung der Produktionseffizienz
  • Optimierung der Prozessqualität entlang aller Stufen der Wertschöpfungskette
  • Qualitäts- und Produktsicherheitsvorteile in der Erzeugung

     

FAQ
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1. Frage: Welche Handlungsfreiheiten bestehen für die Halter, die im Rahmen der vertikalen Integration an einen Vermarkter gebunden sind?

Antwort: Die Vermarkter geben den Haltern bei der Aufzucht grundsätzlich nur bestimmte Rahmenbedingungen vor. Bei vielen Aspekten der Aufzucht, beispielsweise dem Stallmanagement, bieten sie die Expertise verschiedener Berater an. Es herrscht jedoch Konsens darüber, dass der Halter vor Ort die beste Kenntnis über die Besonderheiten des eigenen Stalls wie beispielsweise das Stallklima, die Einstreu oder das Licht hat.

Die hohe Eigenverantwortlichkeit der eingebundenen Geflügelhalter ist auch wirtschaftlich sinnvoll, da in eigenverantwortlich arbeitenden Betrieben die Produktivität nachweislich höher ist als in Betrieben, die etwa nur auf Lohnarbeitskräfte zurückgreifen. Ein Großteil der Puten- und Hähnchenalter hat sich außerdem zu Erzeugergemeinschaften (sogenannte horizontale Integration) zusammengeschlossen, um gemeinschaftlich die Produktions- und Abnahmebedingungen mit dem Vermarkter auszuhandeln.
 

2. Frage: Inwieweit besteht durch die vertikale Integration die Gefahr einer Monopolisierung des deutschen Geflügelmarktes?

Antwort: Von einer Monopolisierung des deutschen Geflügelmarktes kann keine Rede sein, da unter den einzelnen Vermarktern ausgeprägter Wettbewerb besteht. Dass dieser in Deutschland funktioniert, kann der Verbraucher schon an dem vielfältigen Angebot und Preisen der erhältlichen Geflügelprodukte erkennen, die unter einem eingeschränkten Wettbewerb so nicht möglich wären. Halter können zudem jederzeit, unter Wahrung der jeweiligen Kündigungsfrist, ihren Vermarkter wechseln.

3. Frage: Erschwert die vertikale Integration nicht die Interessensbündelung der Halter untereinander?

Antwort: Wie das Beispiel der Geflügelwirtschaft zeigt, schließen sich die vertikale Integration und die horizontale Integration nicht aus. So sind Geflügelhalter auch horizontal, das heißt auf derselben Produktionsstufe, vernetzt – sie schließen sich zu sogenannten Erzeugergemeinschaften zusammen. Über diese Interessensbündnisse erzielen die Halter beispielsweise beim Futter- oder Einstreueinkauf Einsparungseffekte. Auch werden Produktions- und Abnahmeverträge mit Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben oftmals durch die Erzeugergemeinschaften ausgehandelt. Die horizontale Integration bietet den Haltern auf diese Weise in ihren vertikal integrierten Systemen weiterhin die Bündelung und die starke gemeinsame Vertretung ihrer Interessen, beispielsweise gegenüber den Vermarktern.

Die Erzeugergemeinschaften dienen darüber hinaus dem Austausch unter den Haltern – oftmals konkret zu Fragen oder Problemen in der Haltung. Häufig werden auch Fortbildungsangebote oder die intensivere Unterstützung von Junglandwirten, die in den Beruf gestartet sind, über die Erzeugergemeinschaften ermöglicht.

Blog
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5 Fragen an Hähnchenhalter Volker Merten, 04. Dezember 2014

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Haltern und Vermarktern aus?

In der deutschen Geflügelwirtschaft arbeiten die Geflügelhalter eng mit den Vermarktern zusammen. Alle Schritte in der Geflügelfleischerzeugung werden unter dem Dach eines Vermarkters zusammengeführt. Dieses System wird im Fachjargon auch „vertikale Integration“ genannt. Wie genau läuft diese Zusammenarbeit ab? Und welche Vorteile entstehen daraus für den Landwirt? Wir fragen den Hähnchenhalter Volker Merten.

Herr Merten, Sie arbeiten als Geflügelhalter mit einem festen Vermarkter zusammen – ist das aus Ihrer Erfahrung ein Vor- oder ein Nachteil?

Ich sehe da nur Vorteile. Klar kann ich auf den offenen Markt gehen, Tiere von irgendwoher beziehen und dann weiterverkaufen. Das Problem ist aber das „Irgendwoher“. Bei meinem Vermarkter weiß ich immer genau, was für Tiere ich bekomme. Die Küken kommen aus seriösen Brütereien, sind gesund und wachsen gut auf. Und am Schluss habe ich einen garantierten Abnehmer für die 40.000 Hähnchen aus meinem Stall. Denn das ist ja keine Menge, die ich einfach so auf dem Wochenmarkt verkaufen kann. Es gibt mir Ruhe und Sicherheit, dass ich mir über Ankauf und Verkauf der Tiere keine Gedanken machen muss. Meine Gedanken konzentriere ich auf die Haltung und auf das Tierwohl.

Aus Ihrem Alltag – wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Vermarkter in Ihrem Betrieb konkret aus?

Mit dem Vermarkter bespreche ich zum einen ganz grundsätzliche organisatorische Fragen: Wie viele Tiere bekomme ich, wann kommen die in meinen Stall, auf wann legen wir den Schlachttermin fest? Darüber hinaus gibt mir der Vermarkter einen internen Fachmann an die Hand, der als Berater mit mir zusammenarbeitet. Der Kollege kommt mindestens einmal während jeder Aufzucht zu mir auf den Hof, damit wir gemeinsam den Zustand der Herde besprechen und klären, was sich hier und da noch besser machen lässt. Das Gute daran ist: Dieser Außendienst-Mitarbeiter sieht ja nicht nur meinen Hof, sondern der macht den ganzen Tag nichts anderes, als mit Landwirten zu sprechen und Höfe zu besuchen. Und dann weiß er eben, wie andere Landwirte dieses oder jenes Problem gelöst haben und kann mich an seinen Erfahrungen teilhaben lassen. Denn auch als erfahrener Landwirt nehme ich natürlich gerne einen Rat von einem Experten an, der sozusagen den „Blick über die eigene Stalltür hinaus“ kennt. Eins ist aber klar: Am Ende entscheide ich, ob ich seine Tipps umsetze oder nicht. Und wenn ich gewisse Dinge anders sehe, dann mache ich sie auch anders. Denn am Ende trage ich als Geflügelhalter die Verantwortung für das Wohl meiner Tiere – nicht der Vermarkter.

Werden Sie und die anderen Geflügelhalter denn nicht in eine zu große Abhängigkeit getrieben, wenn Sie an nur einen Vermarkter gebunden sind?

Nein, ganz im Gegenteil. Die Bindung an den Vermarkter hat mir große Freiheiten geben – nämlich die Freiheit, zu investieren und dabei Sicherheiten vorweisen zu können. Ich habe 2008 beschlossen, meinen Hof um die Hähnchenhaltung zu erweitern. Der Vertrag mit einem Vermarkter war eine wichtige Voraussetzung dafür, diese Investition überhaupt erst tätigen zu können. Schließlich ist so ein Hähnchenstall mit all der modernen Ausstattung mehrere hunderttausend Euro wert. Und: Sollte ich mit meinem Vermarkter unzufrieden sein, könnte ich den Vertrag natürlich auch kündigen und mich einem anderen Vermarkter anschließen. Ich sehe dazu aber überhaupt keine Veranlassung, weil ich meinen Vermarkter als seriösen Partner sehr schätze. Abgesehen davon: Wir Halter sind ja in Erzeugergemeinschaften organisiert, über die wir zum Beispiel auch die Preisverhandlungen mit dem Vermarkter führen – also wie viel wir am Ende für jedes Tier ausgezahlt bekommen. Mit dieser gemeinsamen Interessenvertretung können wir auch stark gegenüber den Vermarktern auftreten, auf Augenhöhe eben.

Sie haben die positiven Effekte angesprochen, die für Sie durch diese Zusammenarbeit entstehen. Welche Bedeutung hat die Bindung an einen Vermarkter denn für die Tiere und deren Aufzucht?

Ich bin Landwirt geworden, weil ich die Landwirtschaft mag. Und ich halte Tiere, weil ich die Tierhaltung mag. Dadurch, dass ich mir über Dinge wie den Bezug der Küken und die spätere Vermarktung keine Sorgen machen muss, kann ich mich auf die Haltung der Tiere konzentrieren. Meine ganze Aufmerksamkeit, meine Zeit und Energie gelten meiner Herde und dem gesunden und guten Aufwachsen der Hähnchen. Ich bin davon überzeugt, dass es für das Wohl der Tiere entscheidend ist, dass sich der Landwirt zu einhundert Prozent dieser Aufgabe widmen kann. Und genau das können meine Kollegen und ich tun, wenn wir feste Verträge mit Vermarktern schließen. So steht tatsächlich das Tierwohl im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Da bleibt nur noch die Frage: Wie profitiert der Verbraucher davon?

Das Gute ist, dass jeder Verbraucher, der am Ende Geflügelfleisch aus Deutschland kauft, genau weiß, was er bekommt. Dahinter stehen einheitliche Standards in Bezug auf Herkunft der Tiere, auf Tierwohl, auf Hygiene, auf die Betreuung der Halter – das ist mit Sicherheit besser, als wenn jeder Halter seine Küken aus verschiedenen Quellen bezieht, auf eigene Faust großzieht und am Schluss an unterschiedlichste Schlachtereien abgibt. Alles aus einer Hand – das ist sicher auch aus Verbrauchersicht die beste Lösung.

Faktencheck
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Berlin, 07. August 2014

„Das System der Geflügelwirtschaft drängt die Tierhalter in die Abhängigkeit von großen Konzernen.“

Dies entspricht nicht der Wahrheit: Geflügelhalter in Deutschland arbeiten selbstständig, eigenverantwortlich und unabhängig. Sie können sich im Rahmen der sogenannten vertikalen Integration frei für einen Vermarkter entscheiden, mit dem sie eine vertraglich ausgehandelte Bindung eingehen. Diese Wahlfreiheit der Geflügelhalter sichert die Handlungsfähigkeit der unabhängigen landwirtschaftlichen Betriebe. Auf der anderen Seite entsteht dadurch aber auch ein Wettbewerb zwischen den Vermarktern um die jeweils besten Geflügelhalter. Durch die vertragliche Zusammenarbeit profitiert der Halter von einer finanziellen Sicherheit und Planbarkeit. Somit lässt sich festhalten, dass die Geflügelhalter durch die Bindung an einen Vermarkter natürlich nicht ruinös wirtschaften, sondern im Gegenteil gewinnbringend.

Die Geflügelhalter kümmern sich stets eigenverantwortlich um die Aufzucht der Tiere, wobei ihnen der Vermarkter jedoch unterstützend und beratend zur Seite steht. So werden zum Beispiel die Herstellung und Zusammensetzung der Futtermittel gemeinsam abgestimmt und es besteht für die Halter die Möglichkeit, bei Fragen oder Problemen auf externe Berater des Vermarkters zurückzugreifen. Dabei steht es den Landwirten je nach Vermarkter frei, über Faktoren wie die Wahl der Futtermittel, der Geflügelrasse oder des Tierarztes eigenständig zu entscheiden. Die Haltung und Aufzucht der Tiere bleibt stets in der Hand der sachkundigen Geflügelhalter.

In sogenannten Erzeugergemeinschaften vertreten Geflügelhalter zudem gemeinsame Interessen gegenüber den Vermarktern (horizontale Integration). Über diese Interessensbündnisse erzielen die Landwirte beispielsweise beim Futter- oder Einstreukauf Einsparungseffekte. Auch handeln die Erzeugergemeinschaften oftmals Produktions- und Abnahmeverträge mit den Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben aus.

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