Tierschutz

Tierwohl

Tierwohl bedeutet in der Geflügelhaltung, dass es dem einzelnen Tier sicht- und nachprüfbar gut geht. Die deutsche Geflügelwirtschaft versteht Tierwohl als zentrale Grundlage ihres Handelns. Entsprechend sind die Ausbildung der Halter, die Haltung der Tiere sowie die umfassenden Kontrollen auf das Tierwohl ausgerichtet.

Hintergrund
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So wird das Tierwohl in der Geflügelhaltung sichergestellt

Im Mittelpunkt der Geflügelhaltung und -aufzucht in Deutschland steht das Tierwohl. Sowohl Hähnchen als auch Puten werden ausschließlich in Bodenhaltung aufgezogen. Mit Blick auf die Fußballengesundheit und andere gesundheitliche Aspekte wird in den Ställen spezielle Einstreu verwendet, die den Stallboden locker und trocken hält und den Tieren das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen ermöglicht. Sie müssen außerdem jederzeit Zugang zu Futter und Wasser sowie freie Bewegungsmöglichkeiten im Stall haben.  

Weitere für das Tierwohl relevante Faktoren sind die Zufuhr von Frischluft (Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung § 3, Absatz 3, Nr. 2) und (Tages-)Licht, „das sich am natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus orientiert und mindestens eine sechsstündige ununterbrochene Dunkelperiode gewährleistet“ (TierSchNutztV § 4, Absatz 1, Nr. 9). Die Ställe sind so gestaltet, dass das Stallklima über eine elektronische Steuerung konstant in einem für die Tiere optimalen Bereich gehalten wird. Doch trotz technischer Hilfsmittel kommt es auf die Erfahrung des Halters an, der stets das Klima im Stall kontrolliert: Wenn die Tiere sich eng zusammenstellen, ist dies ein Anzeichen für eine zu geringe Temperatur. Verteilen sie sich hingegen weiträumig im Stall und meiden Körperkontakt, könnte es zu warm sein. Darüber hinaus muss eine Stalltemperatur herrschen, die bei Außentemperaturen von über 30 Grad Celsius im Schatten diese um nicht mehr als 3 Grad Celsius übersteigt (TierSchNutztV § 18, Absatz 3, Nr. 3). Über die Stalltechnik wird auch die Futter- und Wasserzufuhr zur bestmöglichen Versorgung der gesamten Herde sichergestellt.  
In den ersten Wochen der Aufzucht liegt auf der richtigen Temperatur ein besonderes Augenmerk. Zu Beginn der Aufzucht benötigen Hähnchenküken 34 bis 36 Grad Celsius, ältere Tiere gegen Ende der Aufzucht rund 20 bis 22 Grad. Bei Puten sollte die Bodentemperatur vor dem Einstallen der Küken etwa 25 bis 28 Grad Celsius betragen. Werden sie in Kükenringen aufgezogen, sollte die Temperatur so gewählt sein, dass sich die Tiere gleichmäßig darin verteilen. Bei einer Aufzucht ohne Ringe sind 33 bis 36 Grad Celsius optimal.

Das Platzangebot in Deutschland ist höher als von der EU gefordert

Das Platzangebot für Hähnchen ist in deutschen Ställen größer, als es die EU-Vorgaben vorsehen. Die europäische Richtlinie 2007/43/EG sieht für Hähnchen eine maximale Besatzdichte von 42 Kilogramm pro Quadratmeter vor (Artikel 3, Absatz 3). In der deutschen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (§ 19) sind jedoch zu keinem Zeitpunkt mehr als 39 Kilogramm pro Quadratmeter gestattet (§ 19, Absatz 3). Im Durchschnitt dreier aufeinander folgender Mastdurchgänge darf die Besatzdichte sogar höchstens 35 Kilogramm pro Quadratmeter betragen, soweit das durchschnittliche Gewicht der Hähnchen weniger als 1.600 Gramm beträgt (§ 19, Absatz 4).

Die Besatzdichte für Puten ist in den „Bundeseinheitlichen Eckwerten für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen“ in Absatz 8 geregelt: Sie beträgt 45 Kilogramm pro Quadratmeter für Putenhennen und 50 Kilogramm pro Quadratmeter für Putenhähne. Bei verbindlicher Beteiligung an einem sogenannten Gesundheitskontrollprogramm ist eine maximale Besatzdichte von 52 Kilogramm beziehungsweise 58 Kilogramm pro Quadratmeter erlaubt.

Die „Bundeseinheitlichen Eckwerte“ wurden bereits im Jahr 1999 von der deutschen Geflügelwirtschaft entwickelt, da es in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung keine spezifischen Regelungen zur Haltung von Puten gibt. Die Eckwerte stellen eine freiwillige Selbstverpflichtung der Branche dar – unmittelbar gültig für jeden Putenhalter in Deutschland – und tragen heute rechtsähnlichen Charakter. Ein Beleg für den steten Fortschritt der Branche ist die 2013 verabschiedete Novelle der Eckwerte, die aus der intensiven Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Politik und Tierschutzorganisationen heraus entstanden ist. Die Geflügelwirtschaft verpflichtet sich darin unter anderem zur Etablierung eines Gesundheitskontrollprogramms (Absatz 7), welches anhand von tierbasierten Indikatoren vergleichende Rückschlüsse auf Gesundheitszustand und Wohlbefinden der Puten zulässt. Halter, die daran nicht teilnehmen, dürfen jedoch nur eine in den Eckwerten vorgesehene geringere Besatzdichte umsetzen.

Die Weichen für mehr Tierwohl werden bereits in der Zucht gestellt

Auch in der Zucht hat das Thema Tierwohl einen wesentlich stärkeren Stellenwert bekommen. Schon lange ist der Wachstumsaspekt nicht mehr der wichtigste Faktor. Heute wird das Zuchtziel auf mindestens 20 bis 30 verschiedene Merkmale selektiert, wobei mehr als 30 Prozent der Zuchtkriterien das Tierwohl betreffen. Gesundheitsaspekte wie Fitness, Vitalität, Robustheit, Beinstabilität, Lauffähigkeit und Herz-Lungen-Funktion spielen eine sehr große Rolle. Wachstumsbedingte Knochenbrüche, Gelenkdefekte und Beinfehlstellungen bei den Tieren wurden auf diese Weise drastisch minimiert. Auch Erkrankungen im Herz-Kreislauf-Bereich sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

FAQ
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1. Frage: Welche Rolle spielt die Forschung im Zusammenhang mit dem Tierwohl für die deutsche Geflügelwirtschaft?

Antwort: Die Forschungsbestrebungen in den Bereichen Tiergesundheit, Hygiene und Tierwohl nehmen eine zentrale Rolle für die deutsche Geflügelwirtschaft ein: Wie kann das Stallmanagement verbessert werden? Wie soll die Einstreu zum Wohle der Tiere beschaffen sein? Wie viele und welche Beschäftigungsgegenstände werden in Ställen optimalerweise eingebracht? Diese und ähnliche Fragen zur stetigen Verbesserung der Haltungsbedingungen stehen im Mittelpunkt zahlreicher Forschungsbestrebungen.
 

2. Frage: Wie kann in großen Herden das Tierwohl gewährleistet werden?

Antwort: Zur Beurteilung des Tierwohls kann nicht allein die Größe der Herden in einem Stall als Kriterium herangezogen werden. Es muss dem einzelnen Tier sicht- und überprüfbar gut gehen. Dazu sind ein gut funktionierendes Stallmanagement und ein optimales Zusammenwirken aller Faktoren wie Futter, Einstreu und Stallklima notwendig. Sie obliegen schließlich der Sachkunde der Geflügelhalter. Entscheidend für das Tierwohl ist somit nicht die Größe der Ställe und Herden, sondern die Sachkunde und das Management des Halters.

Multimedia
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Moderne Geflügelhaltung von der Einstallung bis zur Ausstallung

Alle Hähnchen und Puten, die gemeinsam in einen Stall kommen, wachsen auch jeweils gemeinsam bis zum Ende der Aufzucht in Bodenhaltung auf.

Optimale Haltungsbedingungen für Puten in Deutschland

Speziell ausgebildete Geflügelhalter und Fachkräfte überprüfen die Stallbedingungen und die Tiergesundheit während der gesamten Aufzucht.

Moderne Technik für optimales Stallmanagement

Mit moderner Technik werden Stallklima, Beleuchtung sowie Futter- und Wasserversorgung im Geflügelstall gesteuert und kontrolliert.

Blog
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Eine Foto-Tour durch den Stall, 20. November 2014

Ein Jahr "Puten-Eckwerte": Der Praxis-Check

Vor einem Jahr sind die neuen "Bundeseinheitlichen Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen" in Kraft getreten. Diese freiwillige Selbstverpflichtung gilt für jeden Putenhalter in Deutschland und legt fest, wie die Haltung der Tiere aussehen muss. Die Branche hat die "Eckwerte" gemeinsam mit Vertretern von Politik, Wissenschaft und Tierschutz bereits 1999 entwickelt und im Oktober 2013 ein überarbeitetes Regelwerk verabschiedet. In ihrem ersten Jahr haben sich zahlreiche Neuerungen der "Eckwerte" bereits bewährt - neben der Einführung eines Gesundheitskontrollprogramms sind vor allem Beschäftigungsmaterialien und Stallstrukturierungen, die den Alltag der Tiere abwechslungsreicher gestalten, eine zentrale Verbesserung. Und so sehen diese neuen Elemente in der Praxis aus:

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