Tierschutz

Kontrollen

Die Erzeugung von Geflügelfleisch ist vom Schlupf der Küken über die Aufzucht und Haltung bis hin zur Schlachtung und Verarbeitung ein durchgängig kontrollierter Prozess: Hierbei werden umfassende Eigenkontrollen, unabhängige Kontrollen im Rahmen des sogenannten QS-Systems sowie gesetzliche Kontrollen umgesetzt.

Als engmaschig wirkendes Netz stellt das Zusammenspiel der einzelnen Kontrollen sicher, dass die Standards für den Tierschutz und die Lebensmittelsicherheit eingehalten werden.

Hintergrund
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Verlässliche Eigenkontrollen

Die Eigenkontrolle des Halters betrifft vor allem den Zustand und das Wohlbefinden der Geflügelherde. Der Halter ist verpflichtet, mindestens zwei Mal täglich seine gesamte Herde in Augenschein zu nehmen, um sich vom Zustand der Tiere zu überzeugen (TierSchNutztV § 19, Absatz 2). Auch gelten strenge Vorschriften für die Dokumentation, etwa der Medikamentenvergabe (Tierärztliche Hausapothekenverordnung § 13). So muss ein Tierarzt Nachweise darüber führen, wenn er Medikamente bei Tieren anwendet, „die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen“, oder an den Landwirt abgibt. Diese müssen unter anderem Angaben zu Anwendungs- oder Abgabedatum, zur Menge des Arzneimittels, Wartezeit und zu weiteren Behandlungsanweisungen an den Tierhalter enthalten.

Zusätzliche Kontrollinstanzen im QS-System

Das QS-System ist ein branchenübergreifendes, unabhängiges Qualitätssicherungssystem für die Herstellung von Lebensmitteln. Im Rahmen dieses QS-Systems stellen sich Geflügelhalter zusätzlich zu den gesetzlichen Kontrollen weiteren umfassenden Überprüfungen. In regelmäßigen System-Audits, die von unabhängigen Kontrollinstituten durchgeführt werden, wird die Einhaltung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sowie der darüber hinaus geltenden QS-Leitfäden kontrolliert. In den QS-Leitfäden sind spezielle Anforderungen formuliert zu:  

  • Dokumentationspflichten, etwa zu Betriebsmitteln und Rückverfolgbarkeit von Futtermitteln
  • Tiergesundheit und Arzneimitteln
  • Wirtschaftsdünger und Nährstoffvergleich
  • Hygiene
  • Tierschutzgerechter Haltung
  • Monitoringprogramm und Befunddaten
  • Tiertransport

Zusätzlich zu den System-Audits werden unregelmäßig Kontrollen durchgeführt, die sogenannten Spot-Audits. Geflügelhaltern wird die Durchführung des Spot-Audits erst 24 Stunden vorher angekündigt – Zeit, die zu knapp bemessen ist, um den Zustand der Geflügelherde und der Haltungsanlagen grundlegend aufzubessern. Die Spot-Audits konzentrieren sich neben der Prüfung der Haltungsbedingungen besonders auf die Kontrolle der Tiergesundheit und des Tierwohls. Geflügelhalter haben dabei die Wahl zwischen einem festgelegten System-Audit sowie einem weiteren unangekündigten Spot-Audit oder alternativ einer unangekündigten Durchführung des umfassenden System-Audits.

Welche gesetzlichen Bestimmungen gelten in Sachen Kontrolle?

Unter die gesetzlichen Kontrollen fallen grundsätzliche Überprüfungen, die der Wahrung der Lebensmittelsicherheit dienen – dabei geht es beispielsweise um Futtermittelsicherheit, Tiergesundheit oder auch Rückstandskontrollen. Die auf Tiergesundheit und Tierwohl ausgerichteten Kontrollen werden veterinärmedizinisch durchgeführt. Zu diesen gehört die amtstierärztliche Kontrolle im Zuge der Lebendtierbeschau, die in Deutschland – anders als in vielen europäischen Ländern – sowohl 72 Stunden vor dem Ausstallen der Tiere als auch unmittelbar vor der Schlachtung des Geflügels durchgeführt wird. Der Schlachtvorgang selbst wird wiederum durch Amtstierärzte und ihre Fachassistenten begleitet. Zusätzliche Anforderungen werden an Transporteure gestellt, für die jeweils beim Transport der Küken sowie beim Transport der Tiere am Ende der Aufzucht eine Nachweispflicht über die Sachkunde besteht. Dieser Befähigungsnachweis wird nach einem EU-weit einheitlichen Verfahren ausgestellt (Verordnung (EG) Nr. 1/2005, § 17, Absatz 2). Um ihn zu erwerben, müssen Fahrer und Betreuer eine Schulung absolvieren, in der unter anderem Fütterungs- und Tränkbedürfnisse, Stressbewältigung, die Auswirkungen des Fahrverhaltens auf das Wohlbefinden der Tiere und erste Hilfe für Tiere thematisiert werden.

Multimedia
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Grafiken

Die Grafik zeigt, wie die verschiedenen Geflügelbetriebe in den Spot-Audits abschnitten.

Blog
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von Dr. Günter Zengerling, Referatsleiter beim ZDG, 11. November 2013

Geflügelfleischerzeugung – wie wird heute alles kontrolliert?

Die Geflügelfleischerzeugung in Deutschland gewährleistet aufgrund ihrer vernetzten und stufenübergreifenden Struktur in besonderem Maße die Sicherstellung aller gesetzlichen und branchenspezifischen Standards. Ein engmaschiges Kontrollnetz stellt zudem im Zusammenspiel zwischen wirtschaftseigenen, unabhängigen und behördlichen Kontrollen sicher, dass die Standards für den Tierschutz und die Lebensmittelsicherheit eingehalten werden. Vom Schlupf der Küken über die Aufzucht bis zur Verarbeitung ist die Erzeugung von Geflügelfleisch ein vollständig kontrollierter Prozess:

Von der Brüterei zum Geflügelhof
  • Schon während des Transports der Küken zum Stall gewährleisten sachkundige Transporteure den Tierschutz. Dafür müssen sie eine Sachkundeprüfung ablegen.
Kontrollen während der Aufzucht des Geflügels
  • Während der Aufzucht kontrolliert der Halter mindestens zwei Mal täglich den Stall und die Gesundheit der Tiere. In Kontrolldokumenten notiert er den Futterverbrauch, das Gewicht sowie Faktoren wie den allgemeinen Zustand der Tiere oder die Sterberate.
  • Zusätzlich werden der Stall und die Dokumente regelmäßig von einem unabhängigen Kontrolleur des QS-Systems – ein branchenübergreifendes Qualitätssicherungssystem für die Herstellung von Lebensmitteln – überprüft. Bei den QS-Kontrollen werden zwei Formen unterschieden: angekündigte Kontrollen, die sogenannten System-Audits und unangekündigte Kontrollen, die sogenannten Spot-Audits.
  • Angekündigte System-Audits sind ausführliche Prüfungen der gesamten Haltung und Anlagen. Diese dauern je nach Größe des Stalls bis zu 6 Stunden. Bei diesen Kontrollen werden alle Aspekte der Haltung sowie des Tierwohls, der Hygiene, des Stallmanagements, aber auch das Stallgelände selbst genauestens unter die Lupe genommen.
  • Jeder dem QS-System angeschlossene Halter darf entscheiden, ob sein System-Audit angekündigt oder unangekündigt erfolgt. Entscheidet er sich für einen angekündigten Audit, wird jedoch zusätzlich eine weitere unangekündigte Kontrolle durchgeführt – der sogenannte Spot-Audit. Dieser legt einen besonderen Fokus auf den Zustand der Tiere und des Stalles sowie auf die Einhaltung der deutschen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.
Kontrollen am Ende der Aufzucht
  • Am Ende der Aufzucht nimmt ein Amtsveterinär die sogenannte Lebendtierbeschau vor. Er überprüft hierbei die Gesundheit der Tiere sowie die vom Halter kontinuierlich gepflegten Dokumente zur jeweiligen Herde. Nur, wenn hier alles in Ordnung ist und die Tiere vollkommen gesund sind, werden diese vom Amtsveterinär für den Transport zum Schlachthof freigegeben.
  • Vor dem Transport werden die Tiere zunächst ausgestallt. Die Mitarbeiter, die die Tiere einfangen und in den Transportboxen verstauen, müssen in den wesentlichen Punkten des Tierschutzes und des tiergerechten Umgangs mit den Tieren geschult sein – für diese Sachkunde besteht eine Nachweispflicht. Der Aufseher der sogenannten „Fänger“ muss sich einer verpflichtenden Sachkundeprüfung unterziehen.
  • Nachdem die Transportboxen verladen und sicher im Transporter verstaut sind, werden diese wiederum von einem geschulten Transporteur zum Schlachthof transportiert.
Begleitung des Betäubungs- und Schlachtvorgangs
  • Nach der Ankunft im Schlachthof werden die Tiere stichprobenartig von einem zweiten Amtsveterinär kontrolliert, um ihre Gesundheit sicherzustellen. Bei der Schlachtung selbst sind ganztägig ein Amtsveterinär und weitere Fachassistenten im Schlachtbetrieb anwesend und überwachen den Schlachtvorgang.
  • Vor dem Schlachtvorgang ist es besonders wichtig, dass die Betäubung vorschriftsmäßig durchgeführt wird, um dem Tier unnötige Schmerzen und Leiden zu ersparen. Um dies zu kontrollieren, gibt es in jedem Schlachthof einen Tierschutzbeauftragten.
Lebensmittelsicherheit im Zentrum weiterer staatlicher Kontrollen
  • Die behördliche Lebensmittel- und Veterinärüberwachung ist ein wichtiger Baustein in den Bereichen Futtermittelsicherheit, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit. Hier kontrollieren die zuständigen Behörden überall dort, wo Lebensmittel hergestellt, verarbeitet und an den Verbraucher gebracht werden – die Kontrollen verlaufen also über alle Stufen der Erzeugung.
  • Die Behörden nehmen hierbei Proben, entweder vom lebenden Tier oder in der Schlachtung sowie vom fertigen Produkt. Diese Proben werden anschließend in Laboren auf Keime, Rückstände (zum Beispiel von Arzneimitteln) oder sonstige gesundheitlich bedenklichen Aspekte hin untersucht. Sollten hierbei Mängel festgestellt werden, müssen diese auf Anweisung der Behörden schnellstmöglich beseitigt werden. Bei einer gesundheitlichen Gefahr für den Verbraucher müssen entsprechende Produkte zeitgleich aus dem Handel entfernt werden. Sollte dem nicht Folge geleistet werden, drohen bei schweren Verstößen Sanktionen, Bußgelder oder Strafverfahren.
Faktencheck
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Berlin, 28. Oktober 2013

„Geflügelhaltung wird nicht ausreichend kontrolliert.“

Ganz im Gegenteil: In Deutschland greift ein engmaschiges Netz verschiedenster Kontrollinstanzen ineinander. Dies sind die betriebseigenen Kontrollen, die privatwirtschaftlich organisierten Kontrollen wie zum Beispiel das QS-System, ein branchenübergreifendes Qualitätssicherungssystem für die Herstellung von Lebensmitteln, und die amtlichen Überprüfungen.

Die behördliche Kontrolle erfolgt dabei durch den zuständigen Amtstierarzt, der sowohl während der Aufzucht als auch beim Ausstallen die Herde kontrolliert und sein besonderes Augenmerk auf die Gesundheit der Tiere legt. Der Amtstierarzt führt auch die sogenannte Lebendtierbeschau durch, bei der sichergestellt wird, dass nur gesunde Tiere zur Schlachtung freigegeben werden. Zusätzlich erfolgt beim Eintreffen der Tiere in der Schlachterei eine weitere Überprüfung.

Darüber hinaus stellen sich die deutschen Geflügelhalter zusätzlichen Kontrollen im Rahmen des QS-System: In regelmäßig stattfindenden, umfangreichen „Systemaudits“ unabhängiger und fachkundiger Kontrollinstitute wird jeder Aspekt kontrolliert. Je nach Stallgröße kann ein solches Systemaudit fünf bis sechs Stunden dauern. Zusätzlich zu den Systemaudits werden im Rahmen des QS-Systems die sogenannten „Spotaudits“ durchgeführt. Diese erfolgen unangemeldet und konzentrieren sich besonders auf die Kontrolle der Tiergesundheit und des Tierwohls.

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