Branche

Geflügelhalter

Rund 6.500 Geflügelhalter in Deutschland halten Hähnchen und Puten zur Erzeugung eines hochwertigen Nahrungsmittels. Ein Großteil dieser Halter führen landwirtschaftliche Familienbetriebe, die bereits seit Generationen in Familienbesitz und seit jeher landwirtschaftlich geprägt sind.

Hintergrund
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Die deutsche Geflügelwirtschaft ist ein sehr moderner Landwirtschaftszweig mit einer jungen Bauernschaft. In Deutschland gibt es traditionelle Geflügelregionen, wie zum Beispiel das Emsland, in denen über Generationen gewachsene Strukturen vorzufinden sind: So finden sich beispielsweise in Niedersachsen rund 600 Hähnchenbetriebe ab einer Bestandsgröße von 10.000 Tierplätzen und an die 280 Putenbetriebe ab 1.000 Puten (MEG Marktbilanz Eier und Geflügel 2013). Daneben bilden sich wegen der entsprechenden Nachfrage nach Geflügelfleisch auch neue Erzeugerregionen aus. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise geht mittlerweile eine neue Generation von Landwirten dazu über, sich eine wirtschaftliche Existenz als Geflügelhalter aufzubauen.  

Viele Landwirte haben sich die Geflügelaufzucht als eine zusätzliche (zum Beispiel neben dem Ackerbau oder einer anderen Tierhaltung) oder als ersetzende Existenzgrundlage aufgebaut. Ihr Fachwissen haben die meisten Halter durch eine landwirtschaftliche Ausbildung erworben und häufig durch ein zusätzliches Hochschulstudium erweitert; zudem werden Erfahrung und Wissen in den Familienbetrieben über Generationen weitergegeben.

Die klassischen Ausbildungswege zum Geflügelhalter bestehen aus einer Ausbildung zum Tierwirt, der Weiterbildung zum Tierwirtschaftsmeister oder einem Hochschulstudium. Durch ihre Ausbildung erlangen die Geflügelhalter das notwendige Wissen, um Geflügel verantwortungsvoll und im Einklang mit gesetzlichen Vorgaben halten zu können. Ein besonderer Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf dem Tierwohl. Denn das Tierwohl, also die Tatsache, dass es dem einzelnen Tier sicht- und nachweisbar gut geht, bildet den Mittelpunkt der Arbeit der Geflügelhalter.

Die Innovationsbereitschaft und -kraft der deutschen Geflügelhalter geht heute mit einer ökologisch-wirtschaftlichen Orientierung einher. Offensichtlich wird dies zum Beispiel an den Biogas- und Solaranlagen, mit denen zahlreiche Halter ihre Geflügelställe aufrüsten. Wegen ihrer großen flächenmäßigen Ausdehnung sind Geflügelställe bestens für die regenerative Stromerzeugung durch Solaranlagen geeignet. Damit schaffen die Halter nicht nur eine solidere wirtschaftliche Erlösgrundlage für sich selbst, sondern dienen auch dem Schutz der Umwelt.

Multimedia
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Geflügelhaltung im Familienbetrieb

Die Geflügelhaltung in Deutschland wird häufig seit Generationen von Familien geführt. Moderne Geflügelaufzuchtbetriebe sind daher meist gewachsene Betriebe, die durch den Ausbau bestehender Strukturen entstanden sind.

Blog
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Ein Bericht aus dem Leben einer jungen Geflügelhalterin, 15. Oktober 2014

Leben als Geflügelhalterin – Beruf und Berufung

Die Geflügelhalterin Ramona Harkers steht in ihrem Hähnchenstall.

 

Ramona Harkers ist Geflügelhalterin und lebt mit ihrer Familie auf einem Hof im Emsland: 45 Hektar Ackerbau und drei Hähnchenställe, die den wirtschaftliche Schwerpunkt des Hofs bilden. Zusammen fassen die drei Ställe rund 110.000 Hähnchen – Herausforderung und Berufung für die Landwirtin Ramona, vor allem aber auch ein ganzes Stück Arbeit.

Jeden Tag um sieben Uhr beginnt Ramonas Tag, um halb acht steht sie schon nach einem kurzen Frühstück im Stall. Tägliche Rundgänge durch den Stall, bei denen die Herde genau begutachtet und so das Wohlergehen der Tiere sichergestellt wird, gehören zum Alltag einer Geflügelhalterin. Nach dem Rundgang erledigt Ramona anfallende Arbeiten auf dem Hof oder im Büro, bevor sie direkt vor dem Mittagessen noch einmal nach den Tieren sieht.

Das gemeinsame Mittagessen mit der Familie ist ein fester und für Ramona sehr wichtiger Bestandteil eines jeden Tages – auch ihre Eltern und Großeltern leben auf dem Hof. Sie selbst waren und sind ebenfalls Landwirte. Für Ramona war schon von Kindesbeinen an klar: Sie tritt in diese Fußstapfen und übernimmt eines Tages den Familienbetrieb. So setzte sie sich schon von klein auf begeistert für die Landwirtschaft ein: Als die Eltern ihren Hof um den ersten Hähnchenstall erweiterten und Ramona mit Vorurteilen und Kommentaren ihrer damaligen Klassenkameraden konfrontiert war, lud sie die Mitschüler kurzerhand in den Stall ein – und erntete Begeisterung!

Heute weiß sie zu schätzen, was es bedeutet, selbstständig zu arbeiten und landwirtschaftliche Familiengeschichte weiterzuschreiben: „Wenn etwas deiner Familie gehört, und das seit Generationen, dann macht es dich stolz, das fortzuführen“, erklärt sie. Dabei hat sich die Arbeit sehr verändert, seit ihre Großeltern auf dem Hof gearbeitet haben. „Früher hatten die Menschen eine ganz andere Bindung zum Land und zum Tier“, stellt Ramona fest. „Damals war ein kleiner Hof mit ein bisschen Ackerbau und ein paar Kühen ganz normal. Heute wäre das überhaupt nicht mehr wirtschaftlich.“ Auch die Anforderungen an Geflügelhalter sind heute ganz andere, etwa in Bezug auf die Ausbildung: Ramona ist ausgebildete Landwirtin und staatlich geprüfte Betriebswirtin. Als Leiterin eines landwirtschaftlichen Betriebs sind diese unternehmerischen Fähigkeiten für sie unabdingbar: Sie verhandelt mit Lieferanten, steht im Austausch mit Vermarktern und koordiniert das Personal auf dem Hof. Für ihre tägliche Arbeit im Hähnchenstall hat sie spezielle Lehrgänge zur Geflügelhaltung belegt und in Sachen Tierschutz umfassendes Wissen aufgebaut. Doch gerade in diesem Bereich ist ihre Ausbildung nie ganz abgeschlossen. Ob Facharbeiten zum Thema Fußballengesundheit, Praxisversuche mit der Einstreu oder Workshops zur öffentlichen Wahrnehmung der Geflügelhaltung: Ramona bildet sich ständig weiter und ist sogar einem Arbeitskreis für Hähnchenmast beigetreten, um sich mit ihren Berufskollegen auszutauschen. 

Es ist diese Abwechslung, die den Beruf als Geflügelhalterin für Ramona so spannend macht: „Die Tiere aufwachsen zu sehen, ein Gespür für ihr Wohlbefinden zu entwickeln und eine starke und gesunde Herde aufzuziehen – das motiviert mich sehr und macht mich nach einer guten Aufzucht auch stolz.“, beschreibt Ramona die Faszination für ihre Arbeit. In der „Männerwelt“ der Nutztierhaltung behauptet sie sich gekonnt. Wenn Kollegen oder Zulieferer nach dem Chef verlangen, verblüfft sie gerne mit einem lockeren Spruch: „Die Chefin steht schon vor Ihnen“.   

Alles gut also? Nicht ganz. Denn natürlich wird auch Ramona mit Kritik aus dem eigenen Umfeld oder von skeptischen Nachbarn konfrontiert. Diesen begegnet sie aber heute immer noch genauso wie früher als Schülerin: mit Ehrlichkeit und offenen Stalltüren. Und damit hat sie bisher noch jeden überzeugt. 

Hähnchenhalterin Ramona Harkers schaut mit Katze und Hund aus einem Stall.
Hähnchenhalterin Ramona Harkers schaut ihren Tiere beim Trinken zu.
Der Hof der Hähnchenhalterin Ramona Harkers im Emsland
Zweigeteiltes Bild, dass Hähnchenhalterin Ramona Harkers neben einem landwirtschaftlichen Fahrzeug am Handy und in einem Maisfeld zeigt.
Sechs Plastikbehältnisse, die mit Futter für Geflügel gefüllt sind. Auf einem steht ein kleiner Hahn aus Holz.
Geflügelhalterin Ramona Harkers im Stall und bei der Arbeit im Büro.
Die Geflügelhalterin Ramona Harkers sitz am Küchentisch und spricht mit ihrer Mutter und ihrem Vater.
Die Hähnchenhalterin Ramona Harkers im Kontrollraum ihres Hähnchenstalls.
Zweigeteiltes Bild, dass einen Wetterhahn und die Hähnchenhalterin Ramona Harkers mit ihrem Pferd zeigt.
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