Tierschutz

Einstallen & Ausstallen

Das Einstallen bezeichnet in der Geflügelhaltung die Unterbringung der geschlüpften Küken in den bereits vorbereiteten Geflügelstall. Das Ausstallen bezeichnet am Ende der Aufzucht die Verladung des Geflügels vom Stall in das Transportfahrzeug, welches die Tiere auf möglichst kurzem Weg zum Schlachthof transportiert.

Beide Maßnahmen werden stets von geschultem Personal vorgenommen. Das Einstallen erfolgt in der Regel durch die Halter selbst, das Ausstallen wird unter der Kontrolle des Halters von externen Mitarbeitern übernommen.

Hintergrund
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Beim Einstallen und Ausstallen gelten – wie bei allen Prozessen, die für die Tiere mit Stress verbunden sein können – verbindliche Verpflichtungen zum tiergerechten, schonenden Umgang mit den Hähnchen und Puten.  

Einstallen der Küken durch ausgebildete Geflügelhalter

Vor dem Einstallen wird der Stall gründlich gereinigt und desinfiziert, um höchste Hygienestandards sicherzustellen und den Tieren bestmögliche Voraussetzungen für eine gesunde Aufzucht zu ermöglichen. Weiterhin werden die Ställe eingestreut, Wasserbehälter gefüllt und Futterbahnen gelegt. In der Putenhaltung werden zudem Kükenringe aufgestellt, welche die großen Ställe für die wärmesuchenden Tiere zunächst begrenzen. Das Einstallen selbst übernehmen die ausgebildeten Geflügelhalter – in landwirtschaftlichen Familienbetrieben oftmals gemeinsam mit ihren Familien. Die Küken werden in Transportboxen in den vorgewärmten Stall gebracht. Dabei müssen die frisch geschlüpften Küken gemäß Tierschutz-Transportverordnung (§11 Nr.1) innerhalb von 60 Stunden nach ihrem Schlupf den Halter erreichen. In den meisten Fällen wird diese Vorgabe jedoch deutlich unterschritten.

Besonderes Augenmerk liegt in den ersten Wochen auf der richtigen Temperatur. Zu Beginn der Aufzucht benötigen Hähnchenküken 34 bis 36 Grad Celsius. Bei Puten sollte die Bodentemperatur vor dem Einstallen der Küken etwa 25 bis 28 Grad Celsius betragen. Werden sie in Kükenringen aufgezogen, sollte die Temperatur so gewählt sein, dass sich die Tiere gleichmäßig darin verteilen. Bei einer Aufzucht ohne Ringe sind 33 bis 36 Grad Celsius optimal.

Vor dem Ausstallen der Tiere wird eine Lebendtierbeschau durchgeführt

72 Stunden vor der Ausstallung der Tiere führt der Amtstierarzt die sogenannte Lebendtierbeschau durch. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Zustand der Herde und der einzelnen Tiere. Weiterhin prüft er, ob Medikamente eingesetzt und vorgeschriebene Wartezeiten, die etwa zwischen Antibiotikagabe und Schlachtung liegen müssen, eingehalten wurden. Der Bestandsveterinär des Halters ist dazu verpflichtet, diesen bei der Gabe von Medikamenten über die Wartezeiten aufzuklären (§ 12a, TÄHAV). Der Halter wiederum unterliegt einer Nachweispflicht (§ 13, TÄHAV) zu ihrer Einhaltung. Die Nachweise werden bei der Lebendtierbeschau geprüft. Erst nachdem der Amtstierarzt ein entsprechendes Zertifikat ausgestellt hat, dürfen die Tiere ausgestallt werden. Am Schlachthof wird wiederum von einem Amtstierarzt geprüft, ob die Tiere den Transport gut überstanden haben. Zudem werden die Dokumente noch einmal kontrolliert. Erst dann wird das Geflügel zur Schlachtung freigegeben. Die vorherige Prüfung vor dem Ausstallen ist eine Besonderheit in Deutschland und ist in vielen anderen europäischen Ländern nicht üblich.

Beim Ausstallen wird besonderes Augenmerk auf den tiergerechten Umgang gelegt

Der Ausstallungsprozess findet nach Beendigung der Aufzucht unter Berücksichtigung des Tierschutzes, üblicherweise unter blauem Licht statt. Dieses Licht wird von Hähnchen und Puten als Dunkelheit wahrgenommen, sodass sie ruhig bleiben und das Ausstallen ohne unnötigen Stress für die Tiere durchgeführt werden kann. Die Tiere werden per Hand in die Transportboxen gesetzt, in denen sie dann zum Schlachthof transportiert werden. In einzelnen Fällen nutzen Verlademitarbeiter mobile Transportbänder, welche die Tiere langsam mit Hilfe sogenannter Fanglappen in die Boxen befördern.

Besondere Anforderungen werden zudem an Mitarbeiter gestellt, die am Ausstallen der Tiere beteiligt sind. Laut § 17 Absatz 7 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung haben Halter sicherzustellen, „dass die von ihm zur Pflege oder zum Einfangen und Verladen der Masthühner angestellten oder beschäftigten Personen in tierschutzrelevanten Kenntnissen […] angewiesen und angeleitet werden.“

Zusätzliche Anforderungen an die Leiter der sogenannten Fängergruppen stellt das unabhängige QS-System für Qualität und Sicherheit. Halter dürfen für das Ausstallen nur externe Leiter für Fängergruppen beschäftigen, wenn diese einen speziellen tierschutzorientierten Sachkundenachweis vorlegen können. Dieser weist nach, dass sein Inhaber über das nötige Wissen zum tierschutzgerechten Einfangen, Verladen und Befördern von Hähnchen und Puten verfügt. Weitere Mitarbeiter müssen zudem durch die Leiter entsprechend angewiesen werden.

Multimedia
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Spezielle Maßnahmen vor Ankunft der Küken im Aufzuchtbetrieb

Für das behutsame Einstallen und damit einen optimalen Start der (Eintags-)Küken im Aufzuchtbetrieb, wird der Stall speziell angepasst und vorbereitet.

Vorbereitungen im Stall vor der Ankunft der neuen Küken

Um den Stall für die Ankunft der Küken optimal vorzubereiten, wird der gesamte Stallboden mit sauberen und trockenen Hobelspänen, der sogenannten Einstreu, ausgelegt. Außerdem werden die gereinigten und desinfizierten Futtereinrichtungen speziell an die Bedürfnisse der Küken angepasst.

Optimale Futterversorgung beginnt schon beim Einstallen

Moderne Stalltechnik, die „mitwächst", unterstützt die Versorgung der Küken mit Futter und Wasser während der gesamten Aufzuchtdauer.

Stressfreies Ausstallen von Putenhennen

Als „Ausstallen“ bezeichnet man das Verladen der Tiere zum anschließenden Transport vom Mastbetrieb in den Schlachtbetrieb. Unser Film zeigt das Ausstallen von Putenhennen mit Hilfe eines Verladebandes, das die Tiere auf schonende Weise zum Lkw transportiert.

Tiergerechte Verladung von Hähnchen

Nach 42 Tagen und mit einem Gewicht von 2,5 Kilo verlassen die Hähnchen den Aufzuchtbetrieb. Das Verladen erfolgt bei nahezu kompletter Dunkelheit, so wird unnötiger Stress für die Tiere vermieden. Der Geflügelhalter überwacht den gesamten Prozess und sorgt dafür, dass das Geflügel wohlbehalten zum Schlachthof gelangt.

Gründliche Reinigung und Desinfektion nach dem Ausstallen

Nachdem das Geflügel zum Schlachtbetrieb abtransportiert wurde, wird der Stall ausgemistet und von einer Spezialfirma gründlich mit einem Hochdruckreiniger gesäubert sowie desinfiziert. So haben die neuen Küken einen guten Start in ein gesundes Leben.

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