Kritik

Antibiotikaresistenz

Unter Antibiotikaresistenz versteht man die Eigenschaft von Mikroorganismen, die Wirkung antibiotisch aktiver Substanzen abschwächen oder gänzlich aufheben zu können.

Grundsätzlich kann es in allen Bereichen, in denen Antibiotika eingesetzt werden, zur Ausbildung von Resistenzen kommen – in der medizinischen Versorgung des Menschen, in der privaten Tierhaltung oder der Nutztierhaltung. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und auftretenden Antibiotikaresistenzen beim Menschen besteht nach aktuellster wissenschaftlicher Lage nicht.

Hintergrund
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Antibiotikaresistenzen: MRSA und ESBL im Fokus

Zu den bekanntesten multiresistenten Keimen zählen MRSA (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) und ESBL-bildende Keime (beta-Lactamasen mit breitem Wirkungsspektrum). Die ESBL-Keime umfassen verschiedene Bakterienarten wie z.B. Salmonellen und Escherichia coli. Viele dieser Bakterienarten sind typische Darmbewohner von Menschen und Tieren. Die sogenannten MRSA-Erreger sind Keime, die Resistenzen gegenüber Methicillin und einigen anderen Antibiotika entwickelt haben.

ESBL-Keime aus der Tierhaltung sind von geringer Bedeutung für den Menschen

Zu ESBL-Keimen ist die Forschung noch in einem frühen Stadium. Im September 2014 wurde im Rahmen einer Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewerbung (BfR) nun erstmals festgestellt, dass sich die beim Menschen gefundenen E.coli-Keime von denen, die bei Tieren gefunden wurden, unterscheiden – und das zum Teil deutlich. Auch weitere Studien zeigen teilweise große genetische Unterschiede zwischen den ESBL-Keimen, die jeweils bei Mensch und Tier nachgewiesen wurden (vgl. Wu G et al. Comparative Analysis of ESBL-Positive Escherichia coli Isolates from Animals and Humans from the UK, The Netherlands and Germany. PLoS ONE 8(9): e75392 (2013)). Das Bundesinstitut für Risikobewertung fasst zusammen, dass „die überwiegende Mehrzahl der Besiedelungen des Menschen mit ESBL-bildenden E.coli nicht über die Tierhaltung und Lebensmittel liefernde Tiere erklärt werden“ können.

Andere Studien deuten darauf hin, dass eine Übertragung von ESBL-Keimen von Geflügel auf den Menschen über die Nahrungskette selten ist (vgl. De Been M et al. Whole-genome sequencing as a tool to determine whether dissemination of extended-spectrum betalactamases-producing Escherichia coli occurs through the food chain. ECCMID Kongress 2013).

Bei ESBL-Erkrankungen des Menschen spielt nach derzeitigem Stand der Wissenschaft vielmehr die Übertragung von Mensch zu Mensch die entscheidende Rolle.

Studie: MRSA-Erkrankungen treten nicht vermehrt in landwirtschaftlichen Regionen auf

MRSA ist als einer der häufigsten resistenten Keime als sogenannter „Krankenhauskeim“ seit den 70er Jahren bekannt. Der Keim lässt sich wiederum in verschiedene, genetisch unterschiedliche Stämme unterteilen. Einige dieser Resistenzen sind auf die Nutztierhaltung zurückzuführen. Bei der überwiegenden Mehrzahl aller erfassten MRSA-Infektionen wurden jedoch krankenhausassoziierte Bakterienstämme nachgewiesen. Bis heute wurde kein einziger Fall einer MRSA-Infektion nachgewiesen, der allein auf den Verzehr von Geflügelfleisch zurückzuführen wäre. Auch wegen der geringen Anzahl an gefundenen Keimen misst das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) MRSA-Typen, die in der Nutztierhaltung ihren Ursprung haben, eine „sehr untergeordnete Rolle“ bei.

Eine aktuelle Studie des Robert-Koch-Instituts zeigt darüber hinaus, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Tierdichte in einem Gebiet und der Häufigkeit von MRSA-Erkrankungen gibt. Die in Niedersachsen durchgeführte Studie brachte hervor, dass dort nicht etwa die landwirtschaftlichen Regionen die höchste Anzahl an MRSA-Erkrankungen aufweisen, sondern die Stadt Hannover. Weitere Studien in England und den Niederlanden zeigten keinerlei Zusammenhang zwischen Tierhaltung und MRSA-Infektionen beim Menschen. Aus diesen Studien lässt sich schließen, dass das Auftreten resistenter Keime losgelöst von der Tierhaltung zu betrachten ist.

Vermeidung von Antibiotikaresistenzen von höchster Priorität für die deutsche Geflügelwirtschaft

Selbstverständlich müssen jedoch in allen Bereichen, in denen Antibiotika zum Einsatz kommen, auch die Risiken von Resistenzbildung sensibel betrachtet und soweit möglich minimiert werden. Die deutsche Geflügelwirtschaft ist sich ihrer Verantwortung in diesem Bereich bewusst und hat eine Reihe von Maßnahmen zur Vermeidung von Resistenzen ergriffen.

Dazu gehören umfangreiche Investitionen in Forschungsprojekte, die sich mit der Verringerung von Antibiotikaresistenzen beschäftigen. So wurde mit der Wissenschaft ein Gemeinschaftsprojekt konzipiert, das sich Schritt für Schritt entlang der gesamten Erzeugungskette mit der Verringerung von Antibiotikaresistenzen beschäftigt. Im Mittelpunkt des Gemeinschaftsprojektes steht die Frage: Wie können die Entstehung und die Übertragung von antibiotikaresistenten Bakterien innerhalb der landwirtschaftlichen Tierhaltung, auf Lebensmittel oder zum Menschen verringert oder verhindert werden? Das Projekt ist praxisorientiert ausgerichtet und berücksichtigt alle relevanten Schlüsselbereiche, von der Hygiene in Brütereien und Haltung, bis hin zu Therapieansätzen zur Behandlung erkrankter Tiere.

Multimedia
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Grafiken

Die Grafik zeigt die Forschungsbemühungen der deutschen Geflügelwirtschaft zur Reduktion von Antibiotikaresistenzen. Dafür wird beständig nach Verbesserungsmöglichkeiten geforscht – von der Brüterei bis zur Schlachtung. 

Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung

Die Grafik vergleicht den Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung verschiedener Länder.

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Berlin, 23. Juni 2014

ESBL-Keime: Valide Informationen sind gefragt

Kaum eine Woche vergeht, in der in den Medien nicht eine tödliche Gefahr durch resistente Keime wie ESBL-Bakterien in und auf Fleisch heraufbeschworen wird. ESBL steht für „extended-spectrum beta-lactamases“ und bezeichnet Enzyme, die ein breites Spektrum von Beta-Laktam-Antibiotika unwirksam machen. Wegen der medial notwendigen und politisch gewollten Kürze der Berichterstattung bleiben viele Fragen unbeantwortet. Deshalb lohnt es sich, den Blick auf die anerkannte Fachliteratur zu lenken, um qualifizierte Antworten zu erhalten.  

Wie verbreitet sind ESBLs?

Es ist eine seit langem bekannte Tatsache, dass ESBL-Keime weit verbreitet sind. Wie der Hamburger Senat kürzlich mit Hinweis auf die amtliche Lebensmittelüberwachung (15) mitteilte, wurden ESBL-Coli-Bakterien in der jüngeren Vergangenheit in neun von 18 Hähnchenfleischproben aus dem Einzel- und Großhandel sowie in 27 von 35 Hähnchenfleischimportproben nachgewiesen. Ebenso in fünf von 25 Wildfleischproben: dreimal in Hirschfleisch und je einmal in Reh- und Hasenfleisch. ESBLs (Escherichia coli) wurden laut Senat auch in zwei von zehn Fleischproben aus ökologischer Haltung gefunden, je einmal in Rind- und Putenfleisch, zudem in gemischtem Biohackfleisch von Schwein und Rind. Auch aus elf von 14 Schweinelebern wurden ESBL-Enterobakterien isoliert, neunmal handelte es sich um ESBL-bildende Escherichia coli. In einer Rinderleberprobe wurde ebenfalls dieser resistente Keim gefunden. Schließlich auch in einer von 14 Zwiebelmettwürsten (15).

Die vorgenannten Befunde decken sich mit der bekannten Fachliteratur. So wurden ESBLs in Dänemark auf Geflügel-, Rind- und Schweinefleisch gefunden (14). In Deutschland auf Geflügelfleisch sowohl aus Bio- als auch aus konventioneller Produktion (2). Insoweit schließen alternative Produktionsformen antibiotikaresistente Keime nicht aus.

Auch auf Kräutern und Gemüse lassen sich ESBLs nachweisen (9,19). Natürlich finden sich ESBLs in Kläranlagen, Krankenhausabwässern und Oberflächengewässern bis hin zu Seen und ihren Sedimenten (11, 12). So ist es auch nicht verwunderlich, wenn ESBLs bei Ratten aus der Berliner Kanalisation nachgewiesen werden konnten (13). Selbst auf den Mobiltelefonen von Krankenhauspersonal wurde man fündig (16).

Welche Rolle spielt der internationale Personenverkehr?

Nicht zuletzt werden ESBLs durch den internationalen Reiseverkehr (18, 19, 29-31) oder durch heimkehrende Soldaten (17) um unseren Globus getragen. Eine immer größer werdende Rolle spielt auch der zunehmende Medizintourismus in deutsche Kliniken (33). 2012 waren es 224.000 Menschen, die Geld in die immer klammen Kassen deutscher Kliniken lenkten und zwangsläufig die Keime ihrer Herkunftsländer mitbrachten. Das Robert-Koch-Institut warnte vor Keimen, die selbst gegen Reserveantibiotika resistent waren und mit Verletzten des libyschen Bürgerkriegs in deutsche Krankenhäuser und OPs gelangten (33).

Auch der umgekehrte Weg ist üblich. So reisen jedes Jahr mehr als 450.000 Menschen auch aus Europa nach Indien, um sich dort einer Schönheitsoperation zum „Schnäppchenpreis“ zu unterziehen. Der Umsatz indischer Kliniken mit diesen Dienstleistungen wird auf rund 2 Milliarden US-Dollar geschätzt (32).

Ebenso können Vögel ESBLs über große Strecken transportieren (20-26) und Badeseen, landwirtschaftliche Flächen und Freilandhaltungen kontaminieren.

Welche Rolle spielen ESBLs aus der Tierhaltung beim Verbraucher?

Wie Humanmediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf in der Fachzeitschrift „International Journal of Medical Microbiology“ berichten, unterscheiden sich ESBL-Keime (E. coli) von Geflügelfleisch aus der Region Hamburg deutlich von solchen ESBLs, die die Autoren aus Stuhlproben von Patienten des Klinikums isolieren konnten.

Die Keime zeigten deutliche Unterschiede sowohl beim genetischen Fingerabdruck als auch bei den Resistenzmustern. Zudem waren die Humankeime deutlich häufiger gegen Reserveantibiotika (Fluorchinolone), Aminoglykoside und Trimethoprim-Sulfamethoxazol resistent als Keime von Geflügelfleisch. Die Wissenschaftler folgern, dass ESBL-Keime von Geflügelfleisch für die Besiedlung von Menschen keine Rolle spielen (1).

Die Studie bestätigt die Ergebnisse anderer Wissenschaftler aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland (4). Auch diese verglichen die Ähnlichkeiten von ESBL- Keimen von Mensch und Tier. Dabei fanden sich beim Vergleich des Erbgutes große Unterschiede. Nur 1,2 % der verglichenen Coli-Bakterien von Mensch und Tier zeigten eine Ähnlichkeit von 70 %. Kein resistenter Tierkeim war mit einem resistenten Keim vom Menschen tatsächlich identisch. Die Wissenschaftler empfehlen, die Übertragung von ESBL-Keimen von Mensch zu Mensch zu reduzieren.

Von vergleichbaren Ergebnissen berichteten Humanmediziner des „Universitair Medisch Centrum“ (UMC) in Utrecht anlässlich eines Kongresses in Berlin. Für ihre Untersuchungen hatten sie das Erbgut von ESBL-Keimen beim Menschen mit denen beim Geflügel verglichen. Auch hier waren die ESBL-Keime nicht identisch (5). Dänische Wissenschaftler machten ähnliche Beobachtungen bei ESBLs auf Geflügel-, Rind- und Schweinefleisch (14).

Weniger Fleisch, weniger ESBLs?

Auch schützt ein deutlich reduzierter Fleischkonsum nicht vor einer Infektion mit ESBLs. So sind diese Keime in Ländern mit geringem Fleischkonsum wie Indien und Afrika in der Bevölkerung weitaus weiter verbreitet als in Europa, was andere Verbreitungswege in der menschlichen Umwelt wie Trinkwasser und mangelnde Hygiene nahe legt (27, 28). Hier wiederum schließt sich der Kreis zum Tourismus und den Eintrag dieser Keime in die entwickelten Regionen (30, 31) und Kliniken (19) unseres Planeten.

Sind Vegetarier im Vorteil?

Sollte Fleisch eine herausragende Rolle bei der Besiedlung von Menschen mit resistenten ESBLs sein, dann müssten Vegetarier deutlich seltener betroffen ein. Diese Vermutung konnten Mediziner der Charité-Universitätsmedizin in Berlin nicht bestätigen. Sie fanden bei Stuhluntersuchungen von Vegetariern und Fleischessern keine Unterschiede bei der Besiedlung mit ESBLs (3). Dieser Befund korrespondiert mit einer Reihe von Studien, die belegen, dass Vegetarier mehr resistente Keime in ihren Eingeweiden beherbergen als Fleischesser (Gemischtköstler) (6-8). Es ist in der Fachliteratur dokumentiert, dass ESBLs auch auf Kräutern (9) und Gemüse (10) vorkommen. Da Gemüse und Kräuter in der Küche und als Naturheilmittel häufig roh verzehrt werden, sehen die Experten hier einen Eintragpfad von resistenten Keimen zum Menschen. Geflügel und anderes Fleisch hingegen wird regelmäßig vor dem Verzehr erhitzt (gebraten, gegrillt, gekocht), sodass alle Keime abgetötet werden. Ausnahmen bilden Tatar, Schweinemett und Rohwürste, die durch die Verwendung von Nitritpökelsalz stabilisiert werden.

Fazit

Das Problem resistenter Keime ist zu wichtig, als dass die Diskussion anhand von Berichten in der Laienpresse geführt werden sollte. Mediziner, Politik und Wirtschaft können nur mit wissenschaftlich validen Informationen tragfähige und zielführende Entscheidungen treffen. Wer den Antibiotikaeinsatz bei Tieren in der Landwirtschaft reduzieren möchte, der muss sich um eine bessere Tiergesundheit bemühen: Gesunde Tiere brauchen kaum Antibiotika!

(Dr. med. vet. Manfred Stein, Tierarzt und Herausgeber der Webseite animal-health-online.de)

Literatur  

(1) Belmar Campos C, Fenner I, Wiese N, Lensing C, Christner M, Rohde H, Aepfelbacher M, Fenner T, Hentschke M. Prevalence and genotypes of extended-spectrum beta-lactamases in Enterobacteriaceae isolated from human stool and chicken meat in Hamburg, Germany. Int J Med Microbiol. 2014 May 6. pii: 1438–4221 [online]  

(2) Kola A, Kohler C, Pfeifer Y, Schwab F, Kühn K, Schulz K, Balau V, Breitbach K, Bast A, Witte W, Gastmeier P, Steinmetz I. High prevalence of extended-spectrum β-lactamase-producing Enterobacteriaceae in organic and conventional retail chicken meat, Germany. J. Antimicrob. Chemother. (2012) 67 (11): 2631-2634.  

(3) Königer D, Gastmeier P, Kola A, Schwab F, Meyer E. Vegetarians are not less colonized with extended-spectrum β-lactamase-producing bacteria than meat eaters. J. Antimicrob. Chemother. (2014) 69 (1): 281–282.  

(4) Wu G, Day MJ, Mafura MT, Nunez-Garcia J, Fenner JJ, Sharma M, van Essen-Zandbergen A, Rodriguez I, Dierikx C, Kadlec K, Schink A-K, Wain J, Helmuth R, Guerra B, Schwarz S, Threlfall J, Woodward MJ, Woodford N, Coldham N & Mevius D. Comparative analysis of ESBL-positive Escherichia coli isolates from animals and humans from the UK, the Netherlands and Germany. PLoS One 8(9): e75392 (2013). Doi:10.1371/journal.pone0075392 .  

(5) De Been M, Scharringa J, Du Y, Hu J, Liu Z, Lei Y, Cen Z, Cohen Stuart JWT, Fluit A, Leverstein-van Hall MA, Bonten MJM, Willems R, van Schaik W. Whole genome sequence-based epidemiological analysis of ESBL-producing Escherichia coli. 23rd European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (23rd ECCMID), 27–30 April 2013, Berlin, Germany.

(6) Guinee P, Ugueto N, Van-Leuven,. E. coli with resistance factors in vegetarians, babies, and non-vegetarians. Appl Microbiol 1970, 20, 531–535.  

(7) Elder HA, Roy I, Lehmann S, Phillips RL, Kass EH. Human studies to measure the effect of antibiotic residues. Vet Human Toxicol, 1993, 35, Suppl 1, 31–36.  

(8) Sannes MR, Belongia EA, Kieke B, Smith K, Kieke A, Vandermause M, Bender J, Clabots C, Winokur P, Johnson JR. Predictors of antimicrobial-resistant Escherichia coli in the feces of vegetarians and newly hospitalized adults in Minnesota and Wisconsin. J Infect Dis 2008; 197, 430–4.

(9) Veldman K, Kant A, Dierikx C, van Essen-Zandbergen A, Wit B, Mevius D. Enterobacteriaceae resistant to third-generation cephalosporins and quinolones in fresh culinary herbs imported from Southeast Asia. Int J Food Microbiol. 2014 Feb 25;177C:72–77. doi: 10.1016/j.ijfoodmicro.2014.02.014. [Epub ahead of print]  

(10) Reuland EA, Al Naiemi N, Raadsen SA, Savelkoul PH, Kluytmans JA, Vandenbroucke-Grauls CM. Prevalence of ESBL-producing enterobacteriaceae in raw vegetables. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2014 May 22. [Epub ahead of print]

(11) Zurfluh K, Hächler H, Nüesch-Inderbinen M, Stephan R. Characteristics of extended-spectrum β-lactamase- and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae isolates from rivers and lakes in Switzerland. Appl. Environ. Microbiol. May 2013 vol. 79 no. 9 3021–3026.

(12) Czekalski N, Berthold T, Caucci S, Egli A, Bürgmann H. Increased levels of multiresistant bacteria and resistance genes after wastewater treatment and their dissemination into Lake Geneva, Switzerland. Front. Microbiol., 22 March 2012 | doi: 10.3389/fmicb.2012.00106. [online]

(13) Guenther S, Wieler LH, Wuttke J, Ewers C, Bethe A, Vojtech J, Schaufler K, Semmler T, Ulrich RG. Is fecal carriage of extended-spectrum β-Llactamase-producing Escherichia coli in urban rats a risk for public health?Antimicrob. Agents Chemother. May 2013 vol. 57 no. 5 2424–2425.

(14) Carmo LP, Nielsen LR, da Costa PM, Alban L. Exposure assessment of extended-spectrum beta-lactamases/AmpC beta-lactamases-producing Escherichia coli in meat in Denmark. Infect Ecol Epidemiol. 2014 Feb 5;4. doi: 10.3402/iee.v4.22924. ECollection 2014.

(15) Hamburger Senat. Antwort des Hamburger Senats auf eine schriftliche Kleine Anfrage der Abgeordneten Heidrun Schmitt (GRÜNE) vom 21.05.2014 - Drucksache 20/11902 Betr.: Antibiotikaresistente Keime in Fleisch- und Fleischprodukten; 27. Mai 2014.

(16) Ustun C, Cihangiroglu M. Health care workers' mobile phones: a potential cause of microbial cross-contamination between hospitals and community. J Occup Environ Hyg. 2012;9(9):538–42. doi: 10.1080/15459624.2012.697419.

(17) Janvier F, Delacour H, Tessé S, Larréché S, Sanmartin N, Ollat D, Rapp C, Mérens A. Faecal carriage of extended-spectrum β-lactamase-producing enterobacteria among soldiers at admission in a French military hospital after aeromedical evacuation from overseas. Eur J Clin Microbiol Infect Dis. 2014 May 8. [Epub ahead of print]

(18) Solé M, Pitart C, Oliveira I, Fàbrega A, Muñoz L, Campo I, Salvador P, Alvarez-Martínez MJ, Gascón J, Marco F, Vila J. Extended-spectrum β-lactamase-producing Escherichia coli faecal carriage in Spanish travellers returning from tropical and subtropical countries. Clin Microbiol Infect. 2014 Feb 16. doi: 10.1111/1469-0691.12592. [Epub ahead of print]

(19) Lausch KR, Fuursted K, Larsen CS, Storgaard M. Colonisation with multi-resistant Enterobacteriaceae in hospitalised Danish patients with a history of recent travel: a cross-sectional study. Travel Med Infect Dis. 2013 Sep–Oct;11(5):320-3. doi: 10.1016/j.tmaid.2013.06.004. Epub 2013 Jun 28.

(20) Costa D, Poeta P, Saenz Y, Vinue L, Rojo-Bezares B, Jouini A, et al. Detection of Escherichia coli harbouring extended-spectrum beta-lactamases of the CTX-M, TEM and SHV classes in faecal samples of wild animals in Portugal. J Antimicrob Chemother. 2006;58:1311–12.

(21) Bonnedahl J, Drobni M, Gauthier-Clerc M, Hernandez J, Granholm S, Kayser Y, et al. Dissemination of Escherichia coli with CTX-M type ESBL between humans and yellow-legged gulls in the south of France. PLoS One. 2009;4:e5958.

(22) Bonnedahl J, Drobni P, Johansson A, Hernandez J, Melhus A, Stedt J, et al. Characterization, and comparison, of human clinical and black-headed gull (Larus ridibundus) extended-spectrum beta-lactamase-producing bacterial isolates from Kalmar, on the southeast coast of Sweden. J Antimicrob Chemother. 2010;65:1939–44.  

(23) Literak I, Dolejska M, Rybarikova J, Cizek A, Strejckova P, Vyskocilova M, et al. Highly variable patterns of antimicrobial resistance in commensal Escherichia coli isolates from pigs, sympatric rodents, and flies. Microb Drug Resist. 2009;15: 229–37.  

(24) Simoes RR, Poirel L, Da Costa PM, Nordmann P. Seagulls and beaches as reservoirs for multidrug-resistant Escherichia coli. Emerg Infect Dis. 2010;16:110–12.

(25) Wallensten A, Hernandez J, Ardiles K, Gonzalez-Acuna D, Drobni M, Olsen B. Extended-spectrum beta-lactamases detected in Escherichia coli from gulls in Stockholm, Sweden. Infect Ecol Epidemiol. 2011;1:7030.

(26) Hernandez J, Johansson A, Stedt J, Bengtsson S, Porczak A, Granholm S, et al. Characterization and comparison of extended-spectrum beta-lactamase (ESBL) resistance genotypes and population structure of Escherichia coli isolated from Franklin’s gulls (Leucophaeus pipixcan) and humans in Chile. PLoS One. 2013;8:e76150.

(27) Woerther PL, Angebault C, Jacquier H, et al. Massive increase, spread, and exchange of extended-spectrum β-lactamase-encoding genes among intestinal Enterobacteriaceae in hospitalized children with severe acute malnutrition in Niger. Clin Infect Dis 2011; 53: 677–85.

(28) Walsh TR, Weeks J, Livermore DM, et al. Dissemination of NDM-1-positive bacteria in the New Delhi environment and its implications for human health: an environmental point prevalence study. Lancet Infect Dis 2011; 11: 55–362.

(29) Woodford N. Unwanted souvenirs: travel and multi-resistant bacteria. J Travel Med 2011; 18:297–298.

(30) Laupland KB, Church DL, Vidakovich J, et al. Community-onset extended-spectrum β-lactamase (ESBL) producing Escherichia coli: importance of international travel. J Infect 2008; 57:441–448.

(31) Hawser SP, Bouchillon SK, Hoban DJ, et al. Emergence of high levels of extended-spectrum  β-lactamase-producing Gram-negative bacilli in the Asia-Pacific region: data from the Study for Monitoring Antimicrobial Resistance Trends (SMART) program, 2007. Antimicrob Agents Chemother 2009; 53:3280–3284.

(32) Walsh TR, Toleman MA. The new medical challenge: why NDM-1? Why Indian? Expert Rev Anti Infect Ther. 2011 Feb;9(2):137-41. doi: 10.1586/eri.10.159.

(33) Robert Koch Institut. Zum Auftreten multiresistenter Erreger bei in EU-Ländern behandelten libyschen Patienten. Epidemiologisches Bulletin, 17. Oktober 2011 / Nr. 41, 379.

Berlin, 26. Juni 2014

„Der exzessive Einsatz von Antibiotika in der Geflügelhaltung führt zu Antibiotikaresistenzen beim Menschen.“

Dieser Vorwurf stimmt nicht: Das Auftauchen von Antibiotikaresistenzen, in Form von sogenannten ESBL- und MRSA-Keimen, darf und kann nicht allein auf die Nutztierhaltung zurückgeführt werden!

Diese Tatsache belegte erst im September 2014 das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Die Forscher fanden heraus, dass sich die Anteile der häufigsten ESBL-Gene bei E.Coli-Isolaten von Tieren und Menschen deutlich unterscheiden. Das BfR hält hierzu fest: „Derzeit kann die überwiegende Mehrzahl der Besiedelungen des Menschen mit ESBL-bildenden E.Coli nicht über die Tierhaltung und Lebensmittel liefernde Tiere erklärt werden.“ (1) Diese Einschätzung bestätigen zusätzlich aktuelle Studien aus den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland. So fanden Wissenschaftler beim Vergleich von ESBL-Isolaten von Tier und Mensch heraus, dass nur 1,2 Prozent tierischer ESBL-Keime den menschlichen Keimen ähneln. (2) Auch Humanmediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf kommen in ihren Untersuchungen zu vergleichbaren Ergebnissen. Die Forscher haben herausgefunden, dass sich ESBL-Keime (E. coli) von Geflügelfleisch aus der Region Hamburg deutlich von solchen ESBLs unterscheiden, die aus Stuhlproben von Patienten des Klinikums isoliert werden konnten. Die Keime zeigten deutliche Unterschiede sowohl beim genetischen Fingerabdruck als auch bei den Resistenzmustern. Zudem waren die Humankeime deutlich häufiger gegen Reserveantibiotika (Fluorchinolone), Aminoglykoside und Trimethoprim-Sulfamethoxazol resistent als Keime von Geflügelfleisch. Die Wissenschaft kommt also zu der Schlussfolgerung, dass Geflügelfleisch keinen wesentlichen Beitrag zur Übertragung von ESBL-Keimen auf den Menschen leistet und empfiehlt vielmehr die Übertragung von ESBL-Keimen von Mensch zu Mensch zu reduzieren.(3)

Daneben zeigt eine aktuelle Studie des Robert-Koch-Instituts, dass die Häufigkeit von MRSA-Keimen in keinem Zusammenhang mit der Tierdichte steht. So hatte laut der in Niedersachsen durchgeführten Studie die Landeshauptstadt Hannover die meisten MRSA-Fälle in den Jahren 2010 bis 2013, und nicht – wie zu vermuten wäre – die Regionen mit den meisten Nutztieren.(4)

Antibiotikaresistente Keime können sich zudem nicht nur auf Fleisch befinden, sie kommen insbesondere auch in Kläranlagen, Krankenhausabwässern und Gewässern vor. Auch auf Gemüse und Kräutern konnten ESBL-Keime dokumentiert werden. (5,6) Die Verbreitungswege dieser Keime sind unterschiedlich. So erleichtert zum Beispiel der internationale Reiseverkehr die Verbreitung von ESBL-Keimen und auch der zunehmende Medizintourismus trägt dazu bei. (7-9) Die Kontamination von Gewässern oder landwirtschaftlichen Gebieten kann Beobachtungen zufolge auch durch Zugvögel geschehen, indem sie über lange Strecken die Keime weitertransportieren. (10-16) Als weitere zentrale Quelle der Entstehung und Übertragung von ESBL- und MRSA-Keimen auf den Menschen müssen auch die Humanmedizin sowie die Heimtierhaltung, wie Hunde und Katzen, in Betracht gezogen werden.Die deutsche Geflügelwirtschaft ist sich jedoch ihrer Verantwortung bewusst, konsequent eine Strategie zur Reduzierung der Antibiotikaresistenzen zu verfolgen und steht für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika in der Geflügelhaltung, damit Tierwohl und Produktsicherheit gewährleistet werden können:

  • Antibiotika werden nur nach Diagnose durch einen Veterinär verabreicht – nie vorbeugend und nur im Einzelfall bei Verschreibung durch einen Veterinär.
  • Die deutsche Geflügelwirtschaft setzt in enger Zusammenarbeit mit Landwirten und Veterinären aktiv Maßnahmen zur Antibiotikareduktion um.
  • Im Jahr 2012 etablierte die deutsche Geflügelwirtschaft als erste Branche der deutschen Fleischwirtschaft ein Antibiotika-Monitoring im Rahmen des QS Systems für Qualität und Sicherheit.
  • Strikte Wartezeiten zwischen Behandlung und Schlachtung verhindern Medikamentenrückstände im Geflügelfleisch. Dies belegt auch der jährliche Rückstandskontrollplan des Bundeamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
  • Die Branche investiert in Forschungsvorhaben zur Minimierung von Antibiotikaresistenzen entlang der gesamten Erzeugungskette.

Ausführlichere Informationen zu den Themen ESBL und Antibiotikaeinsatz finden Sie in unserem Newsbereich.

Quellen:

(1) Sharp H, Valentin L, Fischer J, Guerra B, Appel B, Käsbohrer A. Abschätzung des Transfers von ESBL-bildenden Escherichia coli zum Menschen für Deutschland. Berl Münch Tierärztl Wochenschr 127, 464-477 (2014)  

(2) Wu G et al. Comparative Analysis of ESBL-Positive Escherichia coli Isolates from Animals and Humans from the UK, The Netherlands and Germany. PLOS ONE 8(9): e75392 (2013).

(3) Belmar Campos C, Fenner I, Wiese N, Lensing C, Christner M, Rohde H, Aepfelbacher M, Fenner T, Hentschke M. Prevalence and genotypes of extended-spectrum beta-lactamases in Enterobacteriaceae isolated from human stool and chicken meat in Hamburg, Germany. Int J Med Microbiol. 2014 May 6. pii: 1438–4221 [online]

(4) Dr. Manfred Stein. Bewiesen: Massentierhaltung schütz vor MRSA; Raum Hannover besonders gefährded. www.animal-health-online.de/gross/2014/04/07/bewiesen-massentierhaltung-schutzt-vor-mrsa-raum-hannover-besonders-gefahrdet/27590/ (Stand 26.06.2014)  

(5) Zurfluh K, Hächler H, Nüesch-Inderbinen M, Stephan R. Characteristics of extended-spectrum β-lactamase- and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae isolates from rivers and lakes in Switzerland. Appl. Environ. Microbiol. May 2013 vol. 79 no. 9 3021–3026.

(6) Dr. Manfred Stein. „Wissenschaftler finden ESBL-Keime auf Gemüse und Sprossen; Bioware deutlich häufiger belastet“. www.animal-health-online.de/gross/2014/06/02/wissenschaftler-finden-esbl-keime-auf-gemuse-und-sprossen-bioware-deutlich-haufiger-belastet/27802/ (Stand: 26.06.2014)  

(7) Solé M, Pitart C, Oliveira I, Fàbrega A, Muñoz L, Campo I, Salvador P, Alvarez-Martínez MJ, Gascón J, Marco F, Vila J. Extended-spectrum β-lactamase-producing Escherichia coli faecal carriage in Spanish travellers returning from tropical and subtropical countries. Clin Microbiol Infect. 2014 Feb 16. doi: 10.1111/1469-0691.12592. [Epub ahead of print]

(8) Lausch KR, Fuursted K, Larsen CS, Storgaard M. Colonisation with multi-resistant Enterobacteriaceae in hospitalised Danish patients with a history of recent travel: a cross-sectional study. Travel Med Infect Dis. 2013 Sep–Oct; 11(5):320-3. doi: 10.1016/j.tmaid.2013.06.004. Epub 2013 Jun 28.  

(9) Robert Koch Institut. Zum Auftreten multiresistenter Erreger bei in EU-Ländern behandelten libyschen Patienten. Epidemiologisches Bulletin, 17. Oktober 2011 / Nr. 41, 379.  

(10) Costa D, Poeta P, Saenz Y, Vinue L, Rojo-Bezares B, Jouini A, et al. Detection of Escherichia coli harbouring extended-spectrum beta-lactamases of the CTX-M, TEM and SHV classes in faecal samples of wild animals in Portugal.J Antimicrob Chemother. 2006; 58:1311–12.

(11) Bonnedahl J, Drobni M, Gauthier-Clerc M, Hernandez J, Granholm S, Kayser Y, et al. Dissemination of Escherichia coli with CTX-M type ESBL between humans and yellow-legged gulls in the south of France. PLoS One. 2009; 4:e5958.

(12) Bonnedahl J, Drobni P, Johansson A, Hernandez J, Melhus A, Stedt J, et al. Characterization, and comparison, of human clinical and black-headed gull (Larus ridibundus) extended-spectrum beta-lactamase-producing bacterial isolates from Kalmar, on the southeast coast of Sweden. J Antimicrob Chemother. 2010; 65:1939–44.  

(13) Literak I, Dolejska M, Rybarikova J, Cizek A, Strejckova P, Vyskocilova M, et al. Highly variable patterns of antimicrobial resistance in commensal Escherichia coli isolates from pigs, sympatric rodents, and flies. Microb Drug Resist. 2009; 15: 229–37.  

(14) Simoes RR, Poirel L, Da Costa PM, Nordmann P. Seagulls and beaches as reservoirs for multidrug-resistant Escherichia coli. Emerg Infect Dis. 2010; 16:110–12.

(15) Wallensten A, Hernandez J, Ardiles K, Gonzalez-Acuna D, Drobni M, Olsen B. Extended-spectrum beta-lactamases detected in Escherichia coli from gulls in Stockholm, Sweden. Infect Ecol Epidemiol. 2011; 1:7030.

(16) Hernandez J, Johansson A, Stedt J, Bengtsson S, Porczak A, Granholm S, et al. Characterization and comparison of extended-spectrum beta-lactamase (ESBL) resistance genotypes and population structure of Escherichia coli isolated from Franklin’s gulls (Leucophaeus pipixcan) and humans in Chile. PLoS One. 2013;8:e76150.

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