Sicherheit

Antibiotikaeinsatz

Antibiotika werden in der Geflügelhaltung ausschließlich bei erkrankten Tieren eingesetzt, sofern es ihre Behandlung erfordert. Im Falle einer Erkrankung muss der zuständige Bestandsveterinär hinzugezogen werden, um nach eingehender Diagnose über eine angemessene Behandlung zu entscheiden und bei entsprechender Indikation den Einsatz von Antibiotika anzuordnen.

Hintergrund
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Über den Einsatz von Antibiotika entscheidet ausschließlich der Veterinär

Zum Einsatz von Antibiotika kommt es immer nur therapeutisch, niemals prophylaktisch. Eine tierärztliche Diagnose muss davor zwingend erfolgen. Stellt der Landwirt Anzeichen einer Erkrankung fest, zieht er einen Veterinär zu Rate und erörtert mit ihm die Behandlung der Tiere. Bei einer leichten Erkrankung der Tiere genügt zur Therapie oft schon die Verabreichung alternativer Mittel wie zum Beispiel Menthol, vorbeugend können gezielt Vitamine und Aminosäuren eingesetzt werden.

Wird hingegen eine bakterielle Infektion diagnostiziert, entscheidet immer der Veterinär, ob und wie lange Antibiotika eingesetzt werden sowie welcher konkrete Wirkstoff eingesetzt wird. Zur eingehenderen Analyse gehört ein sogenanntes Antibiogramm. Durch diesen Labortest wird ermittelt, mit welcher Art von Keim die Tiere sich infiziert haben und welche Wirkstoffe dagegen in Betracht kommen. Damit ist sichergestellt, dass nur ein wirksames Antibiotikum zum Einsatz kommt. Die Geflügelhalter sind verpflichtet, jedes verabreichte Medikament in den Kontrolldokumenten zur Aufzucht zu vermerken (Arzneimittelgesetz § 58b).

Es gibt keine gesundheitlich bedenklichen Rückstände von Antibiotika in Geflügelfleisch

Wenn die Tiere nach entsprechender Indikation mit Antibiotika behandelt worden sind, dürfen sie aus Gründen der Lebensmittelsicherheit anschließend nicht gleich geschlachtet werden. Eine für das eingesetzte Präparat vorgegebene Wartezeit muss zwingend eingehalten werden. Diese Mindestdauer ist für Präparate, in deren Beipackzettel keine andere Wartezeit vermerkt ist, im Arzneimittelgesetz (AMG § 59) und der Tierärztlichen Hausapothekenverordnung (TÄHAV § 12a) festgelegt. Durch die Einhaltung der Wartezeit ist sichergestellt, dass sich keine gesundheitlich bedenklichen Medikamentenrückstände im Fleisch befinden. Wird ein Tier im Laufe der Aufzucht krank, muss es behandelt werden – aus Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere und nach den Geboten des Tierschutzes.

Verbraucher können sich dabei auf die Sicherheit von deutschem Geflügelfleisch verlassen. Dass das Fleisch frei von gesundheitlich bedenklichen Antibiotikarückständen ist, bestätigt der jährliche Nationale Rückstandskontrollplan (NRKP) des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Der Antibiotikaeinsatz wird kontinuierlich reduziert

Für die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Geflügelhaltung hat sich die deutsche Geflügelwirtschaft konkrete Ziele gesetzt: Innerhalb von fünf Jahren soll der Antibiotikaeinsatz um 30 Prozent verringert werden. Vor diesem Hintergrund befürwortet die Branche die in der Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMK) zum 1. April 2014 vorgesehene bundesweite Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung. Die deutsche Geflügelwirtschaft hat ein solches Monitoring indes schon zwei Jahre zuvor realisiert: Im Rahmen des QS-Systems, einem branchenübergreifenden Qualitätssicherungssystem für die Herstellung von Lebensmitteln, hat sie ein umfassendes Antibiotika-Monitoring etabliert, um eine valide Datenbasis zu schaffen. Bei Bedarf können so auf dieser Basis betriebsindividuelle Minimierungsstrategien erarbeitet und umgesetzt werden.

Multimedia
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Videos

Über die Arbeit einer Bestandsveterinärin

Erhalten Sie hier einen authentischen Einblick in den Alltag eines Bestandstierarztes und die vielen Besonderheiten in der Aufzucht von Puten. Welche Rolle der Einsatz von Antibiotika in der Putenhaltung spielt, erklärt eine Bestandsveterinärin im Film.

Grafiken

Die Grafik vergleicht den Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung verschiedener Länder.

Blog
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von Rudolf Werner, Veterinär, 05. November 2013

Tiergesundheit in der Geflügelhaltung – eine gemeinsame Aufgabe von Veterinär und Landwirt

Von Beginn an Ansprechpartner für die Landwirte

Seit 17 Jahren bin ich als selbstständig praktizierender Veterinär in verschiedenen Bereichen der Nutztierhaltung tätig. Unter anderem arbeite ich als sogenannter Bestandstierarzt und bin somit der erste Ansprechpartner auch für Geflügelhalter – und nicht erst wenn es zu Krankheitsfällen in ihren Ställen kommt. Besonders, wenn ein junger Landwirt mit der Nutztierhaltung beginnt, ist es wichtig, ihm ein Gespür für die Gesundheit der Tiere zu vermitteln. In meiner Betreuung von Geflügelhaltern ist dies eine der wichtigsten Aufgaben.

Zu Beginn einer jeden Aufzucht steht für den Landwirt und mich eine gemeinsame Besprechung an. Hier wird der Bestand aufgenommen und besprochen, ob das Einstallen problemlos lief. Anschließend erstelle ich, meist gemeinsam mit dem Landwirt, ein Impfkonzept für die Herde, um sie gegen Krankheiten zu schützen. So legen wir – neben den optimalen Bedingungen im Stall – bereits den Grundstein für die Gesundheit der Tiere während der Aufzucht. Die Küken versorge ich außerdem ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen. Wie bei uns Menschen ist das gerade bei jungen Tieren besonders wichtig, da die Küken in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen noch kein voll funktionsfähiges Immunsystem haben.

Die Wichtigkeit der Fußballengesundheit

Grundsätzlich besuche ich den Landwirt und die Tiere ein weiteres Mal nach den ersten 20 Tagen. Bei diesem Routine-Check schaue ich mir das Futter- und Trinkverhalten der Tiere an und ihre gesundheitliche Entwicklung. Insbesondere die Fußballen sind wichtig für das Wohlbefinden der Tiere. Entzündete Fußballen bereiten den Tieren Schmerzen und schränken ihre Bewegungsfreiheit ein. Auf die Fußballen lege ich daher als Veterinär ein besonderes Augenmerk. Die Fußballengesundheit ist aber auch einer der wichtigsten Faktoren, die der Landwirt selbst im Blick haben muss, um das Wohl seiner Tiere zu sichern. Dafür muss der Untergrund für die Tiere optimalerweise trocken und warm sein, weswegen der Wahl der richtigen Einstreu eine wichtige Bedeutung zufällt.

Natürlich bin ich als Veterinär auch von Zeit zu Zeit mit Krankheitsfällen innerhalb einer Herde konfrontiert. Wenn ein Landwirt eine auftretende Krankheit bei seiner Herde vermutet, ist schnelles Handeln gefragt. Als Bestandsveterinär bin ich der erste Kontakt und fahre in der Regel umgehend zum Hof des Landwirts. Ich nehme dann eine gründliche Untersuchung der erkrankten Herde vor und kann meistens recht schnell entscheiden, welche Behandlungsmethoden angebracht sind. Antibiotika sind dabei nur die letzte Wahl. Oft wenden meine Kollegen und ich auch alternativmedizinische oder homöopathische Methoden an und setzen Vitamine oder Aminosäuren ein. So reicht beispielsweise bei einem leichten Schnupfen der Tiere oft bereits die Gabe von Eukalyptus oder Menthol aus. Die Vergabe von Antibiotika erfolgt sehr kontrolliert und kann auch nur von einem Veterinär wie mir angeordnet werden. Wenn ich der Ansicht bin, dass Antibiotika notwendig sind, um erkrankte Tiere zu behandeln, gibt mir ein sogenanntes Antibiogramm Aufschluss darüber, welcher Wirkstoff in dem konkreten Fall der richtige ist. So setze ich die Medikamente stets zielgerichtet ein und vermeide eine unnötige Antibiotikavergabe.

Landwirte sind heute besser ausgebildet als früher

Was ich an meiner Arbeit als Bestandsveterinär besonders schätze, ist die enge Abstimmung mit den Landwirten und der gegenseitige Austausch auf Augenhöhe. Schließlich ist es ja unser gemeinsames Ziel, eine gesunde und starke Herde aufzuziehen. In meinen Augen hat sich die Partnerschaft zwischen Veterinär und Landwirt sehr positiv entwickelt. Dies liegt vor allem daran, dass die Halter heute deutlich besser ausgebildet sind und noch genauer über die richtige Aufzucht einer Herde Bescheid wissen als früher – das gegenseitige Verständnis für die Arbeit des Anderen ist einfach besser geworden. Aber auch der immer mehr an Bedeutung gewinnende Tierschutz in der Aufzucht hat dieses Verhältnis gestärkt.

Selbst wenn viele Menschen immer noch glauben, dass in der konventionellen Nutztierhaltung alle Tiere krank seien, weil man sie möglichst schnell groß wachsen lässt, stelle ich in meiner Arbeit genau das Gegenteil fest: Ein krankes, schlecht gepflegtes Tier ist nicht mobil und frisst nicht gut. Somit ist das Wachstum der Tiere eingeschränkt, da die Energie aus dem Futter wegen etwaiger Krankheiten nicht umgesetzt wird. Dem Halter, dem Veterinär und natürlich den Tieren nutzt am Ende nur eine Haltung, in der das Tierwohl im Mittelpunkt steht. Und heutzutage ist das eine Selbstverständlichkeit in der Zusammenarbeit zwischen mir als Veterinär und den Landwirten, die ich betreue.

Faktencheck
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Berlin, 05. Juni 2015

„Antibiotika werden massenhaft vorsorglich und als Wachstumsförderer eingesetzt. Mit Antibiotikarückständen belastetes Fleisch landet dann auf unseren Tellern.“

Diese Behauptung ist falsch: In der deutschen Geflügelhaltung werden Antibiotika niemals vorbeugend oder zur Wachstumsförderung verabreicht. Zudem befinden sich keine gesundheitlich bedenklichen Rückstände von Antibiotika in Geflügelfleischprodukten.

Der Antibiotikaeinsatz ist gesetzlich geregelt und erfolgt ausschließlich auf explizite Anordnung eines Tierarztes zur Behandlung erkrankter Tiere. Schon seit 2006 sind wachstumsfördernde Antibiotika in der Tierhaltung EU-weit verboten. Der Einsatz von Antibiotika erfolgt immer unter Einhaltung klarer Richtlinien:

  • Niemals vorbeugend
  • Niemals zur Wachstumsförderung 
  • Ausschließlich zur Behandlung erkrankter Tiere
  • Nur nach Diagnose und auf Anordnung eines Tierarztes

Sachkunde der Halter sowie optimale Haltungsumgebung stellen Tiergesundheit sicher

Eine Vielzahl an Faktoren und Maßnahmen tragen gleichwohl dazu bei, dass Tiere erst gar nicht erkranken und keine Antibiotika eingesetzt werden müssen:

  • Sachkunde und langjährige Erfahrung der Geflügelhalter
  • Optimales Stallmanagement und richtige Haltungsumgebung (zum Beispiel gutes Stallklima)
  • Trockene Einstreu sorgt für ein günstiges Mikroklima und gesunde Fußballen
  • Bedarfsgerechtes Futter mit allen notwendigen Vitaminen und Aminosäuren (optimale Nährstoffzusammensetzung)
  • Probiotika zur Stärkung der für die Tiergesundheit förderlichen Bakterienstämme
  • Vermehrter Einsatz von stallspezifischen Impfstoffen

Sollten Tiere doch einmal krank werden, helfen oft bereits alternative Heilmittel wie Menthol. Wird allerdings vom Veterinär eine bakterielle Infektion diagnostiziert, so entscheidet allein er, ob und welcher konkrete Wirkstoff verabreicht wird sowie über die Dauer der Behandlung. Im Zweifel bedeutet dies ohne Frage auch den Einsatz von Antibiotika.  

Die Geflügelwirtschaft ist sich dabei aber ihrer Verantwortung bewusst und arbeitet kontinuierlich daran, den Antibiotikaeinsatz auf ein Minimum zu reduzieren. Dafür hat die Branche im Rahmen des QS-Systems bereits 2012 ein Antibiotika-Monitoring eingeführt. Auf Grundlage der aus dem Monitoring gewonnenen Daten werden bei Bedarf individuelle Strategien in Zusammenarbeit mit dem betreuenden Bestandstierarzt erarbeitet, um den Antibiotikaverbrauch weiter zu senken.

Keine gesundheitlich bedenklichen Rückstände von Antibiotika in Geflügelfleisch

Geflügelfleisch enthält auch nach einer entsprechenden Verabreichung durch den Tierarzt nachweislich keine gesundheitlich bedenklichen Antibiotikarückstände: Das gewährleistet stets eine gesetzlich vorgeschriebene und veterinärmedizinisch kontrollierte Wartezeit zwischen Antibiotikaeinsatz und Schlachtung. Alle eventuell aufgenommenen Medikamente werden in dieser Zeit vom Organismus der Tiere abgebaut. Dies bestätigt nicht zuletzt der jährliche Nationale Rückstandskontrollplan (NRKP) des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): So waren im Jahr 2012 99,98 Prozent der untersuchten Proben frei von Rückständen jeglicher Art.

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